In der unserer Herbstausgabe 2022 No. 85, haben wir mit Hotelier, Multiehrenamtler und Doppeljubilar Dirk Erdmann ein Interview zu den Erfordernissen des Moments und den Visionen für die Zukunft geführt. Da das ziemlich auf den Punkt war, bitte einfach hier nachlesen.

Ergänzen möchten wir das nur um ein paar brandneue Fakten:

Im »Hotel Rungholt« gehört es zur Philosophie, dass alle 65 Zimmer und Suiten eine eigene, unverwechselbare Note besitzen. Und so werden jeden Winter etliche Wohneinheiten von Sabine Erdmann und ihrem Team neu gedacht und neu gemacht. Zur Saison 2023 präsentieren sich fünf »Rungholt«-Quartiere in komplett neuem Gewand.

Die Kaffeebar des Hotels wurde ebenfalls umgestaltet. Zudem werden Wasserzapfstellen in der Hotelhalle dafür sorgen, dass die Gäste sich künftig gratis mit allerbestem Kampener Wasser versorgen können. Ein großer Schritt zu mehr Nachhaltigkeit. Die Wasserflaschen sind, na klar, im »Rungholt«-Design gestaltet.

Und noch neu: Ein Windschutz, der kein Stück von der himmlischen Sicht nimmt. In dieser Freiluft-Saison wird der Wind das Terrassenerlebnis der »Rungholt«-Gäste jedenfalls nicht schmälern.

Jahrmarkt war schon immer ein nonverbales, multikulturelles und gemeinschaftliches Erlebnis. Eine schlaue Idee, die 65 Mitarbeitenden aus aller Welt zu einem Fest mit Kirmesflair einzuladen. Riesenspaß für alle. Teambildend und unterhaltsam. Das Kaamp-Hüs wurde von Event-Profis Ende Januar in einen Jahrmarkt mit etlichen Spielstationen verwandelt. Im Hotel mussten sich die Gäste ausnahmsweise selbst versorgen. Das »Rungholt«-Team wurde von den Kollegen vom »Manne Pahl« in aller Form verwöhnt.




Dort, wo jetzt drei Appartementhäuser stehen, thronte das »Hotel Kurhaus« auf dem Kliff. Eine Perle…


Um die Geschichte des Hauses am Meer zu würdigen, verweisen wir an dieser Stelle auf das Buch »Mensch, Kampen«. Dort wird die Geschichte des Ortes in 24 Mini-Biografien erzählt. Eine dieser Kampener Lebensgeschichten ist die von Gisela Erdmann, Seniorchefin des »Rungholt«, Mutter von Dirk und Großmutter der nächsten Generation Hoteliers. Das Buch gibt es für 29,90 € im Kaamp-Hüs und  im Sylter Buchhandel. Es ist auch online unter www.kampen.de bestellbar. 

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LESEPROBE

Perle am Meer  

Die Geschichte des Tourismus in Kampen beginnt eigentlich in Munkmarsch und ist ganz eng mit der Familie Erdmann und deren Vorfahren, den Nanns, verknüpft. Mit Friedrich Nann und seiner Frau Dorothea, um genau zu sein – den Urgroßeltern von Dirk Erdmann. Friedrich und Dorothea waren Gastronomen von der Insel Föhr, besaßen offenbar genau den richtigen Riecher für gute Geschäfte, zudem Mut und Fleiß ohne Ende. Sie kauften 1894 das »Munkmarscher Fährhaus« – am strategisch bedeutsamsten Punkt der Insel. Denn hier kamen die Passagierschiffe mit den Sommerfrischlern an.  

Die Nanns witterten völlig zu Recht gute Geschäfte auf Sylt und boten im »Hotel Munkmarsch« Zimmer im Stil der Zeit – Übernachtung mit Morgenkaffee für 2,75 Mark – an. Auch das Café und das Restaurant florierten, weil man mit friesischem Geschäftskalkül eine gewisse Zeitspanne zwischen der Ankunft der Schiffe und der Abfahrt der Kutschen und Bahnen eingebaut hatte.

Die Familie baute bzw. übernahm bald auf dem Wenningstedter Kliff und mit dem Kampener »Kurhaus« fortschrittliche Beherbergungs-Betriebe. Die beiden waren nicht nur geschäftlich fleißig. Sie bekamen 13 Kinder, von denen die Jüngste, Bertha, die Oma von Dirk Erdmann war. Berthas Bruder Arthur übernahm das Restaurant und Hotel in Munkmarsch. Sein Neffe Dietrich Erdmann, Dirks Vater, half dort als junger Mann regelmäßig aus. 

Zuvor in Kampen... hatte der Hamburger Geschäftsmann Hermann Gustav Haberhauffe 1894 das »Hotel Kurhaus« eröffnet – am Ende des Weges Richtung Kliff. Den spektakulären Rechtsstreit um eine Badekonzession für Kampen überlebte Haberhauffe nicht. Seine Frau Anna Margareta Vilagos gab den Hotelbetrieb 1899 auf. Doch die Schauspielerin mit ihrem riesigen Bekanntenkreis hatte den ersten Anstoß dafür gegeben, dass Kampen sich zu einem Treffpunkt illustrer Persönlichkeiten entwickeln sollte. Wilhelm Bühring aus Kampen übernahm 1900 das Hotel mit seinen 76 komfortablen Zimmern, mit seinen Diners und Soupers, warmen Dampf- und Seebädern, Veranden und Lauben. In diesen Jahren entstand auch eine touristische Infrastruktur im Ort: Strandtreppen wurden konstruiert, Schutzpavillons errichtet, eine erste »Sturmhaube« mit der Badeverwaltung gebaut und ein Musik- und Teepavillon, nördlich des »Kurhauses«, der sich allerdings als Fehlkonstruktion erwies. 

Max Nann, Sohn von Friedrich, Großonkel von Dirk Erdmann, pachtete das »Kurhaus« 1909, zwei Jahre später erbaute er nebenan das Haus »Meerblick« mit 35 Zimmern. 1933 baute er an der Kurhausstraße das »Haus Rungholt I«, kaufte 1936 das »Kurhaus« und wurde so mit einer Kapazität von 180 Betten zu einem der größten Gastgeber in Schleswig-Holstein. Das Hotel-Ensemble war von Anfang an Treffpunkt prominenter Persönlichkeiten. Es wurden Bälle gegeben, man bat zum Tee, die Cocktails der »Reiterbar« genossen einen hervorragenden Ruf. Netty Nann, passionierte Reiterin, betrieb sogar einen eigenen Reitstall. Der Zweite Weltkrieg beendete in Kampen die Blütezeit der 20er- und 30er-Jahre. Nach Max Nanns Tod verpachtete seine Witwe erst das »Kurhaus«, verkaufte dann »Meerblick« und »Kurhaus« 1966. Die Gebäude wurden abgerissen und wichen der ersten Appartementanlage inselweit. Netty Nann baute das »Rungholt 2« und verstarb vier Jahre später. Damit begann die Ära Erdmann.

3 Generationen Erdmanns




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