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Wie kam’s zur Idee? Bevor der Architekt und passionierte Ultra-Läufer Ben Koziczinski den Auftrag bekam, das nördlichste Haus Deutschlands – am Ellenbogen – unter dem zweiten Leuchtturm umzugestalten, hatte er die gängigen Sylt-Klischees im Kopf. Doch dann lief er los zur »Arbeit« auf den Ellenbogen und wieder zurück, mit Wind und ohne, mit Sonnenauf- und -untergängen, mit Meer- und Wattblick und alle Vorurteile lösten sich in Wohlgefallen auf. Kurz: Er war entzückt von diesen flachen, durch den Wind herausfordernden, aber landschaftlich herrlichen Trainingsstrecke und entwickelte eine vage Vorstellung von einem puristisch-schönen Ultra-Marathon auf der Insel.
Jurist und Regisseur Martin sowie Architekt und Extremsportler Ben haben große Freude an ihrem gemeinsamen Sylter Projekt. Die Anmeldungen erreichen die beiden oft auch aus Skandinavien. Wie ging’s weiter? Seine Begeisterung teilte Ben Koziczinski mit Lister Freunden. Und eine dieser Bekannten, Jackie Motzkus, arbeitete »zufällig« im Kaamp-Hüs. Sie berichtete der Tourismus-Direktorin Birgit Friese von der Vision. Auch sie fand die Idee super. Ebenso ging es Moritz Luft von »Sylt Marketing« und der Firma Gosch, die auch zu den potenziellen Unterstützern gehört. Und das war eigentlich schon alles, was es brauchte, um Worten Taten folgen zu lassen. Von der Idee zur Wirklichkeit Mit seinem Freund und »Partner in crime«, dem Regisseur und Juristen Martin Schmitt, schrieb Ben Koziczinski das Konzept für das Event und begann mit der professionellen Planung. Jetzt stehen der Termin und die Logistik für den 13. Mai.
Gut zu wissen – vor allem für »Ultra-Laien«: Im Spitzenbereich von XL-Landschaftsläufen werden unvorstellbare Leistungen erzielt: Die Weltrekorde im 24-Stunden-Lauf stehen derzeit bei 303,506 Kilometern bei den Männern und 259,990 Kilometern bei den Frauen. Man sieht: Dieser Sport dient definitiv dazu, körperliche und mentale Grenzen auszuloten. Die Sylter Ultra-Läufer*innen werden an 20 Stationen mit Essen und Trinken versorgt. Übrigens: Sie dürfen zwischendurch auch aufs Klo oder mal ein paar Minuten im Strandkorb sitzen und tief durchatmen. Bei der Premiere des Runs soll es eine Starterlaubnis für bis zu 200 Einzel- und 200 Staffelläufer*innen (drei teilen sich die Strecke à 37 Kilometer) geben. Die Staffel wird in Rantum und Kampen übergeben. Startschuss ist um 6 Uhr (Einzelläufer) und 7 Uhr für die Staffelläufer in Kampen. Zurück erwartet werden die Schnellsten schon nach zehn Stunden. Die Staffelläufer*innen haben ein Zeitlimit von 15 Stunden. Die Einzelläufer*innen dürfen sich bis zu 16 Stunden Zeit lassen. Der Sylter Ultra-Lauf hat den Status eines offiziellen Runs, der auch als Qualifikation für andere Events dient. Die Startgebühren betragen 199 Euro // 3er-Staffeln kosten 249 Euro. Dafür gibt’s ein umfangreiches Versorgungs- und Logistikpaket. Alle Einzelheiten, Voraussetzungen und Wissenswertes auf www.northseaultra.com. Eine Bleibe auf Sylt müssen sich die Sportlerinnen und Sportler selbst suchen. Und noch? Ultra-Läufer Ben Koziczinski läuft zum Training gerne einmal von Wohnort Berlin-Mitte quer durch die Hauptstadt bis nach Potsdam. Er sagt, dass es bei XL-Strecken vor allem auch darum geht, »den Mageninhalt gut zu managen« und dass sein Trainingspensum mit Beruf und Familie »durchaus zu vereinbaren sei«. Der »North Sea Ultra« ist ein Wettbewerb, der sich Naturgenuss und Nachhaltigkeit auf die Fahnen schreibt. Viel Brimborium und »Chichi« ist also nicht im Sinne der Sache. Wohl aber freuen sich die beiden Erfinder des Events über jede ehrenamtliche Hand, Sponsoren, die zur Philosophie passen und vor allem viele begeisterte Applausspender an der Strecke. Der neue Run wird Extrem-Sportler*innen aus der ganzen Welt auf die Insel holen. Im Laufe des Jahres bietet Sylt für Ausdauernde zudem schon zum 40. Mal den Sylt Lauf (war im März) // den Mega Marsch (100 Kilometer um Sylt wandern in unter 24 Stunden – im Oktober) // Rantum Becken Run (im September – zehn Kilometer für Einsteiger). |
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