»Langeweile? Kann ich nicht!«
30 JAHRE »APPARTEMENTS & MEHR«
TEXT: IMKE WEIN
Markus Wenzel ist ein Unikat, eine menschliche Perle. Das wird jeder bestätigen, der ihn kennt. Während andere Unternehmer zum 30. Jubiläum gerne über Konsolidierung oder »einen Gang runter« sprechen und für den Beitrag im Dorfmagazin viele alte Fotos und verstaubte Kataloge aus der Schublade kramen, kommt er im knallmodernen, nagelneuen Co-Working-Büro mit dem knackigen Statement daher: »Ne, sowas hab ich alles weggeschmissen. Lass uns lieber über die Zukunft sprechen!« Typisch Wenzel eben. So haben wir mit dem Chef der Kampener Vermietagentur über aktuelle Firmengründungen und -geheimnisse gesprochen und über die ganze Vergangenheit auch nur am Anfang.
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Ein Unternehmer, der in keine Schublade passt und sein Herz stets am rechten Fleck trägt: Markus Wenzel liebt unkonventionelle Wege – für sich und für seine Vermietagentur.
Foto: Sven Erberich
Du bist in Dannenberg im äußersten Ostens Niedersachsens groß geworden. Der älteste von drei Geschwistern. Auf Deine beschauliche Kindheit folgte eine Ausbildung zum Koch im »Parkhotel« in Hitzacker. Eher Zufall oder eine bewusste Entscheidung? //
Markus Wenzel: Ich liebe exzellente Küche bis heute, ganz gleich, ob sie eher traditionsreich oder unkonventionell ist. Koch zu werden, war damals mein Wunschberuf. Ganz klar.
Du bist mit Deinem »Opel Kadett« 1989 hier aufgeschlagen. Wie kam es dazu? //
M.W.: Als ich auf dem Weg zur Berufsschule nach Lüneburg war, habe ich im Zug die Stellenanzeigen vom »Dehoga«-Magazin studiert und da stand was von Sylt. Ich wusste gar nicht so richtig, was das ist. Ich hatte bis dahin außer einem Zeltlager bei uns im Landkreis keine Reiseerfahrung. Ich wurde bei Rolf Seiche im »Gogärtchen« vorstellig. Das war mir alles etwas unheimlich mit so viel Dolce Vita. Als Koch im »Café Merk« (Anm.: heute das Hotel »Wenningstedter Hof« in der Kurve im Nachbardorf), das war meine Kragenweite, da habe ich »Ja« gesagt und mich pudelwohl gefühlt.
Sylt und Du – das war von Anfang an ein Match. Du hast Zivildienst in der Friesenkapelle gemacht, eine stramme Karriere im »Dorint Hotel« hingelegt, warst kurzfristig mal Veranstaltungsexperte und Hausmeister im Kaamp-Hüs – wie war der Schritt dahin, Ferienbuden zu vermieten? //
M.W.: Reiner Zufall. Weil Freunde gefragt hatten, ob ich für sie die Vermietung ihrer Wohnungen übernehme. Und das hat offenbar geklappt. Am Anfang lief alles über Faxgerät, Telefon und A5-Flyer. Aber das Kerngeschäft ist eigentlich genauso geblieben. Ich bin da langsam reingewachsen bzw. wir. Denn inzwischen waren Katrin und ich ein Paar. Sie war damals Gemeindeschwester der Norddörfer und konnte wegen ihres Jobs in eine Wohnung neben dem Wasserwerk im Kampener Möwenweg ziehen. Das wurde der erste Firmensitz von »Appartements & Mehr«!
Du liebst Deine bunte Patchworkfamilie, magst Unkonventionelles und Innovation. Privat wie auch geschäftlich. Was, meinst Du, ist der Schlüssel zum Erfolg Deiner Agentur? //
M.W.: Es gibt bei uns keine halben Sachen. Nur solche Objekte schaffen es in unser Portfolio, in denen ich selbst gerne Ferien machen würde. Das Gleiche gilt für unseren Service. Vermietagenturen, die ihre Sache gut machen, gibt’s auf Sylt etliche. Auch schon bevor wir an den Start gingen. Wir haben uns damals ein Renommee verschafft, indem wir Neuerungen auf den Boden der Wirklichkeit gebracht haben, bevor sie in aller Munde waren. Ein Stichwort wäre das Thema Nachhaltigkeit oder die Elektro-Mobilität – die haben wir schon vor 15 Jahren gelebt. Innovative Vertriebswege, eine breite Servicepalette, moderne Kommunikation und eine überschaubare Anzahl an Objekten, glasklare Konditionen mit unseren Eigentümern und sowas wie unser »Check-in-und-check-out-wie-es-gefällt« für die zeitliche Flexibilität unserer Gäste am An- und Abreisetag – da trauen sich andere Mitbewerber bis heute nicht ran.
Im Jubiläumsjahr hast Du den Firmennamen verkürzt, das Corporate Design völlig erneuert, kooperierst mit der »Sea Cloud« und hast eine neue Firma gegründet. Erzähl mal…
M.W.: Veränderung und Qualität sind bei uns wirklich die großen Konstanten: Darum gab’s zum Jubiläum nochmal ein komplett frisches, modernes und schnörkelloses Corporate Design. Wir haben immer Firmenpartnerschaften, um unsere Gäste mit Schönem zu überraschen. In diesem Sommer gibt es für alle Ankommenden ein Fläschchen Champagner und besondere Konditionen für die »Sea Cloud«. Und jetzt die Neugründung: Mit meinem Programmierer-Team der Firma »emjot« in Hamburg haben wir eine neue Webseite gelauncht, die der Prototyp ist für eine Buchungssoftware, die den Markt international revolutionieren könnte. Das Unternehmen, das wir dafür gegründet haben, heißt FUGO, was für »Fucking Good« steht.
Es bleibt also spannend. Übernimmt eines Deiner fünf Kinder das Geschäft eigentlich irgendwann?
M.W.: Nichts ist undenkbar. Aber meine Kinder haben da alle Freiheit. Noch habe ich zudem richtig Lust auf meinen Laden. Eigentlich mehr denn je …
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Herbergen im »A&M«-Stil und das Jubiläumsmagazin im neuen Corporate-Look.
Objektfotos: Nicole Mai
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