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Mit 51,4 Prozent der Stimmen beschließt das deutsche Parlament den Regierungsumzug von Bonn nach Berlin. Schweden, Finnland und Österreich treten der Europäischen Union bei, und die französische Kriegsmarine entert das Greenpeace-Schiff »Rainbow Warrior«. Rennfahrer Michael Schumacher verteidigt seinen Weltmeistertitel, und in Miami wird der deutsche Bauunternehmer Jürgen Schneider verhaftet – gesucht wegen fünf Milliarden Mark Bankschulden. Der Kinofilm »Forrest Gump« wird mit sechs Oscars ausgezeichnet und »Multimedia« zum Wort des Jahres gekürt. Und was haben Kampen und der Rest der Insel so alles erlebt? In einer bunten Mischung stellen wir Ereignisse des Jahres 1995 zusammen – passend zur PROKAMPEN No. 95.
Text: Frank Deppe | Bilder: Archiv Frank Deppe
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108 Stufen himmelwärts
Weil die 108 Stufen hohe Treppe hinauf auf die Kampener Uwe-Düne morsch geworden war, stellte der Landschaftszweckverband Sylt kurzfristig 60.000 Mark für einen neuen Aufgang bereit, und auch die Aussichtsplattform wurde in diesem Zuge erneuert. Rechtzeitig zum Ansturm der Urlauber zum Jahreswechsel konnte die neue Treppe freigegeben werden.
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Diese Geburtstagsfeier stieß in Kampen bitter auf: Inmitten des Dorfes voller Reetdachhäuser ließ ein Zweithausbesitzer von professionellen Feuerwerkern ein großes Feuerwerk entzünden, das ein gutes Dutzend Geburtstagsgäste betrachteten. »Unverantwortlich«, schimpfte nicht nur Kampens Wehrführer Udo Lützen. Doch rechtlich konnte gegen das über 10.000 Mark teure nicht eingeschritten werden. Zum Glück wehte in dieser Nacht nur ein schwacher Wind und die Reetdächer der umliegenden Häuser waren regennass. |
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LICHT? AN!
1995 wird die Lichttechnik des Kampener Leuchtturms erneuert, wobei nun eine Halogendampflampe mit fast 150.000 Lichtstärken zum Einsatz kommt. Zum Vergleich: Eine handelsübliche brennende Haushaltskerze hat gerade mal eine Lichtstärke. Das Leuchtfeuer erwacht beständig eine Stunde vor Sonnenuntergang und erlischt eine Stunde nach Sonnenaufgang. Ein Blink von drei Sekunden und eine Dunkelphase von sieben Sekunden wechseln einander dabei ab.
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Gewichtiges Strandgut
Im Februar 2025 war es ein Pottwal in Hörnum. 1995 spült am Wenningstedter Flutsaum ein 18 Meter langer Finnwal an. Im Gewicht bringt er es auf 35.000 Kilo, allein seine Schwanzflosse misst im Durchmesser 3,50 Meter. Wenig später herrscht am Wenningstedter Strand Hochsaison, die Nachricht von dem ungewöhnlichen Fund hat sich auf der Insel wie ein Lauffeuer herumgesprochen.
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Aktie für Kultur Mit einer besonderen Aktion trat das Sylter Kulttheater »Meerkabarett« an, um seine finanzielle Situation zu verbessern: Das Unternehmen legte 350 Aktien zum Ausgabekurs von jeweils 350 Mark auf. Dafür wurden die Aktionäre unter anderem mit einem Gala-Diner entlohnt. Zu den ersten Käufern gehörten der Entertainer Karl Dall (Foto), Schauspieler Günther Pfitzmann und Sänger Reinhard Mey. |
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Gleiches Recht für alle
Als Modeschöpfer Karl Lagerfeld (Foto) und das Top-Model Claudia Schiffer 1995 auf der Insel Modeaufnahmen für die neue »Chanel«-Kollektion machten, waren die Rantumer Dünen das Ziel. Doch als sich das Model und die Fotografen zu weit in die Sandberge vorwagten, passierte es: Prominenz hin, Prominenz her, das Betreten der Dünen ist verboten und wurde prompt mit einem Bußgeld geahndet.
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EHRE, WEM EHRE GEBÜHRT!
Siegward Sprotte wurde zum Ehrenmitglied des Vereins Berliner Künstler ernannt, dem ältesten Künstlerverein Deutschlands (von 1841!).
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Brrrrrrr! Kalt!
Das traditionelle »Westerländer Weihnachtsbaden« wurde fast zum Eisbaden. Doch trotz – 4,2° C Luft- und – 1,8° C Wassertemperatur wagten sich 40 Männer und 28 Frauen in die kalten Fluten. Die älteste Teilnehmerin zählte stolze 86 Lenze, am längsten hielt es ein Urlauber aus Lübeck im Wasser aus – genau sechs Minuten und 37 Sekunden.
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Tragisch!
Am 1. Januar 1995 lief der Seenotrettungskreuzer »Alfred Krupp« von Borkum zu einem Rettungseinsatz aus und wurde in einem Orkan von einer Wasserlawine überrollt – zwei Besatzungsmitglieder stürzten über Bord und starben. Das veranlasste den Sylter »Fischpapst« Jürgen Gosch zu einer Spendenaktion für die Hinterbliebenen: 18.300 Mark konnte er überreichen, »auch wenn wir den Familien den Schmerz nicht nehmen können«.
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