Die eine hat hier etliche Jahre gelebt, hat dann die Bühnen und Bildschirme der Republik erobert und Sylt als Zuhauseort nie abgeschrieben. Der andere erlebte auf dem Wenningstedter Campingplatz prägende Ferienmomente, was ihn veranlasste, daraus seinen ersten Roman zu entwickeln. Sie sind beide Kenner des Inselknustes und haben etliche berufliche Schnittmengen. Die Rede ist von Norddeutschlands redefreudigstem Allround-Star Ina Müller und von Sänger, Songwriter, Dichter, Instagrammer und Podcaster Max Richard Leßmann. Gemeinsam werden die beiden Künstler am 14. September auf der Lesebühne des Kaamp-Hüs zu Gast sein. Im Vorfeld der Ereignisses haben wir die beiden getrennt voneinander befragt…
Ohne lange nachzudenken: Welches Bild ploppt bei Ihnen als erstes auf, wenn Sie an Kampen denken?
Ina Müller // Das Rote Kliff, von der Abendsonne angestrahlt, und in dunkelorange strahlend... und ich meine nicht den »Club«! – obwohl: der ist auch toll!!
Max Richard Leßmann // Wie ich mit meinem Großvater mit dem Fahrrad aus Wenningstedt gekommen bin, um Porsche zu zählen.
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Welches Klischee findet sich bei näherer Betrachtung auf Sylt am wenigsten bestätigt?
IM // »Nur Spießer hier, mit ihren fetten Karren.«
MRL // Dass Sylt bestimmten Menschen vorbehalten ist. Die Insel selbst hat doch Liebe für alle.
Welche Rolle spiel(t)en Großeltern in Ihrem jeweiligen Leben?
IM // Meine Oma hat mich morgens geweckt, mir Brote für die Schule geschmiert, und nach der Schule mit mir Hausaufgaben gemacht. Ohne sie wäre vieles schlechter gelaufen in meinem Leben. Sie war ihr Leben lang streng, und sie war ihr Leben lang NIE auf Sylt.
MRL // Ich habe unzählige Sommer mit ihnen verbracht, viele davon hier auf der Insel. Sie waren für mich in vielerlei Hinsicht prägend, vor allem was Humor angeht.
Wie würden Sie die Stärken der/des jeweils anderen beschreiben?
IM // Max schafft es seit Jahren, jeden Tag auf »Instagram« ein Gedicht zu schreiben, das mich kurz innehalten lässt, oder mich länger drüber nachdenken lässt, oder es mich direkt toll finden lässt, um mich dann zu ärgern, dass ich es nicht geschrieben habe. Ich mag übrigens keine Gedichte, nur die von Max Richard Leßmann.
MRL // Ich liebe Inas Geschwindigkeit und ihr ehrliches Herz.
Wo liegt die Müller-Leßmannsche-Schnittmenge?
IM // Wir mögen uns, wir mögen die Insel, wir mögen das Meer, wir mögen gute Texte und gute Musik, und wir lachen gerne... wenn wir nicht grad weinen.
MRL // Wir überschneiden uns an mindestens so vielen Stellen, wie es Schafe in Nordfriesland gibt.
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Künstlerleben stellt man sich gern vogelfrei und überaus erstrebenswert vor. Was nervt indes bei Nähe betrachtet am meisten? Die Antwort »Interviews zu Promozwecken« zählt nicht…
IM // Mir fehlt manchmal die strenge Art meiner Oma, die hinter mir steht und mahnt, dass ich dies oder das jetzt mal endlich machen soll... »je eher daran, je eher davon«, »von nix kommt nix« und so weiter. Sich ständig selber zu motivieren – ohne Druck – fällt mir schwer. Und der kreative Prozess ist meist einsam. Deshalb liebe ich es, mit der Band auf Tour zu sein, oder mit Autoren wie Max an Songs zu arbeiten.
MRL // Am meisten nervt mich, das ewige Warten in Backstagebereichen, aber die Zeit auf der Bühne entschädigt dafür.
Fotos Ina Müller: Sandra Ludewig · © Sony Music // Fotos Max Richard Leßmann: Tim Bruening
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