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LOVESTORY MIT SCHLÜSSELMOMENT
2015 liefen sich Anne und Thomas an der »Edelweiß«-Bar in Zürs über den Weg. Eine schicksalhafte Begegnung zwischen dem Mann, der schon die Außenbar in »Gretas Rauchfang« Anfang der 2000er zu einem Hotspot machte, und der Berliner Marketingexpertin, die alle Kindheits- und Jugend- Sommer auf Sylt verbrachte. Die beiden verliebten sich ineinander. Ihre Lebensaufgabe fiel dem Paar dann ungefragt vor die Füße: Als die zwei im Sommer 2015 Ferien auf Sylt verbrachten, wurde ihnen von Freunden die Idee angetragen, in dem damals leer stehenden »Dorfkrug« den Spirit aufleben zu lassen, der der »Whiskymeile« und auch dem »Dorfkrug« zu Legendenstatus verholfen hatte. Die beiden schauten sich das leer stehende und renovierungsbedürftige Lokal an und hatten sofort eine Vision. Eine, die nach intensiver Komplettsanierung vom ersten Tag an aufging: die Kombination aus exzellenter Gastlichkeit und Feierkultur, die drei Generationen gleichzeitig begeistern.
DAS INTERVIEW: SECHS SCHNELLE FRAGEN…
an die zwei Gastgeber in der Hochsaison
Ihr seid ein Duett, das zusammen Familie lebt und eine gemeinsame »Großbaustelle« betreut. Also eigentlich seid Ihr fast 24/7 zusammen und dann auch wieder nicht. Wie bekommt Ihr das hin? //
Anne Floto: Ich glaube, weil wir das, was wir tun, von ganzem Herzen lieben. Wir haben mit dem »Dorfkrug« einen Ort geschaffen, den wir auch selbst als Gäste besuchen würden. Wir lieben es, selbst zu feiern, und das am allerliebsten generationsübergreifend. Wir versuchen uns auch nicht in die Quere zu kommen. Jeder bringt sich unterschiedlich ein. Thomas ist die Konstante und kümmert sich um das operative Geschäft. Ich mache mehr im Hintergrund, fühle mich oft als Mama für das Team und sorge für Ambiente, Musik und tüftle mit der Küche an neuen Gerichten. Außerdem gehören wir zu denen, die ihre Konflikte immer und sofort, oft auch laut, austragen. Das reinigt die Atmosphäre augenblicklich. Im siebten Jahr mit unserem »Dorfkrug« sind wir sogar – dank unseres tollen Teams – ab und zu entbehrlich. Das fühlt sich gut an. Außerdem ist es ein Geschenk, dass meine Eltern in den wilden Sommerwochen unsere Tochter betreuen. Ohne sie ginge es nicht.
Thomas Samson: Die ersten Jahre haben wir mit unserer Tochter Pippa, sie ist Schülerin in der Norddörfer Grundschule, noch über dem Laden gewohnt. Jetzt können wir seit einiger Zeit im Wortsinn »nach Hause gehen«. Das tut uns allen sehr gut. Wenn meine große Tochter Liv aus Kiel zu Gast ist – geht das jetzt auch viel entspannter. Was zudem sehr hilft, ist unsere Flexibilität. Wir führen zwar für unsere Gäste bis zu einem Jahr im Voraus einen akkuraten Reservierungsplan. Aber wir selbst sind sehr spontan. Wir mögen es, auf die Erfordernisse des Moments zu reagieren. So buchen wir zum Beispiel auch unseren privaten Urlaub erst im letzten Augenblick. Jetzt im Herbst – einmal im Jahr zu den Schulferien – haben wir die Möglichkeit, als Familie zu verreisen. Private Termine über die nächste Woche hinaus? Gibt es bei uns eigentlich nicht...
Ihr habt zwischen 20 (Vorsaison) und 40 Mitarbeitende in der Hochsaison. Etliche im Team sind schon von Anfang an dabei. Ihr betrachtet jeden Tag wie eine Inszenierung – so als würdet Ihr auf die Bühne gehen. Ihr zelebriert das mit Euern Mitarbeiter*innen. Das finde ich einen bewundernswerten Ansatz. Ihr stellt Euch alle mit Euerm Können als Gastgeber komplett zur Verfügung. So erlebe ich das als Gast bei Euch jedenfalls. Ihr fühlt Euch spürbar verantwortlich – für das Wohl Eures Teams und Eurer Gäste. Diese Haltung ist großartig, strengt aber bestimmt auch an. Wo findet Ihr selbst Eure Inseln des Atemholens? //
TS: Bei mir sind es die Stunden mit dem Surfbrett auf dem Wasser – zu jeder Jahreszeit und bei fast jeder Welle. Das lässt mich auftanken. Surfen war immer schon mein allerbester Ausgleich. Dazu kommt tatsächlich, dass ich das Golfspielen schätzen gelernt habe.
AF: Ein Spaziergang am Watt oder auch ein Yogamoment – der wirkt bei mir Wunder. Ich habe zudem noch eine Wohnung in Berlin. Wenn ich da ein paar Tage in den Großstadtrhythmus eintauche, bin ich wie neu.
Zur Weihnachtsfeier der Gemeinde Kampen habt Ihr den »Dorfkrug« im Dezember 2016 wiedereröffnet. Es war ein Erfolg – von Anfang an. Nach vielen Monaten, in denen Ihr hier wirklich bis auf den Kern alles saniert habt. Wann kam Euch diese Idee für einen »Dorfkrug« der innovativen Art? //
TS: Wir waren damals auf Sylt, um einfach ein paar schöne Tage zu verbringen. Muffel und Beate waren schon seit 1,5 Jahren aus dem »Dorfkrug« raus und wir haben das leer stehende Gebäude angeschaut, weil Freunde und unser späterer Geschäftspartner meinten, wir müssten das unbedingt machen und für einen Ort mit Seele sorgen. Schon bei der ersten Begehung haben wir alles genau vor uns gesehen. So, wie es heute ist.
Thomas, bevor Du Anne kennengelernt hast, warst Du ein paar Jahre auf Bali und hast eine Marke aufgebaut, die die traditionelle balinesische Handwerkskunst des Messerschmiedens neu kultiviert hat. Ein ganz anderes Metier. Ein Abenteuer. Hast Du manchmal Lust, wieder in so ein wildes Projekt einzusteigen? //
TS: Ja, das ist wirklich eine tolle Sache mit den Messern. Das habe ich mit einem Freund zusammen gemacht. Für neue Projekte sind wir auch jetzt immer aufgeschlossen. Aber ich würde eindeutig sagen, wir würden das nur zusätzlich zum »Dorfkrug« machen, nicht stattdessen.
AF: Ja, das empfinde ich auch so. Der »Dorfkrug« fühlt sich an wie unser Wohnzimmer, das wir mit vielen anderen Menschen teilen! Das würden wir um keinen Preis aufgeben.
Wie würdet Ihr das Phänomen beschreiben, das den Erfolg des »Dorfkrugs« ausmacht? //
AF: Das Besondere an Kampen ist die Verbindung aus dörflicher Nähe und gastronomischer Exzellenz. Und dann ist es noch dieses Losgelöstsein vom Alltag, in dieser wunderbaren Luft, vor einer fast surreal schönen Inselkulisse, was dem Ganzen eine wilde Note gibt. Dieses einzigartige Lebensgefühl zelebrieren wir bei uns. Mit Menschen aller Generationen. Und wir inszenieren das – vom kulinarischen Konzept bis hin zum entsprechenden Musikgenre für die Partys. Zudem ermöglicht unser Baukastensystem auf der Speisekarte unseren Gästen, Hunderte verschiedene Varianten auszuwählen. Ganz nach der Stimmung des Tages und den geschmacklichen Vorlieben. Das hat etwas Kreatives und passt zu Kampen. Unsere Gäste lieben das, weil man dadurch am Tisch auch so schön teilen kann.
Ihr schätzt es, in Kampen zu leben, und fühlt Euch hier pudelwohl. Was würdet Ihr ändern, wenn Ihr könntet? //
AF: Der ganzen Insel würde es wahnsinnig gut tun, wenn sie wieder spannender würde – für die Boheme und für die Jugend. Unkomplizierte Gastlichkeit und Events, mehr individuelle und schräge Konzepte wären toll.
TS: …ja, oder eine Strandkultur, die es wieder ermöglicht, mal ein Feuer zu machen, Makrelen zu grillen oder im Sand zu tanzen. Die Singer-Songwriter-Abende am Kampener Strand sind ein schöner Ansatz.
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Der »Dorfkrug« fühlt sich an wie ein Zuhause, das wir mit vielen anderen Menschen teilen!