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KUNST & KULTUR
ARCHSUMER SAMMELT PUZZLETEILE
EINES BEWEGTEN KÜNSTLERLEBENS
AUF DEN SPUREN VON CARL IHRKE
FOTOS & TEXT: FRANK DEPPE
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Dr. Simon Rietz wohnt in Archsum, der Maler Carl Ihrke bevorzugte Kampen. Gemeinsam ist beiden indes nicht nur ihre Zuneigung zu Sylt, sondern auch ihr Geburtsort Hamburg-Harburg. Seit geraumer Zeit bereits ist Simon Rietz auf Spurensuche nach Details über den vor 40 Jahren verstorbenen Künstler – und hofft auf weitere Erkenntnisse durch die Leserinnen und Leser von PROKAMPEN.
Carl Ihrke zählt, auch zum Bedauern von Simon Rietz, zu den eher vergessenen Kunstschaffenden, die auf Sylt gewirkt haben. Dabei ist das Werk des 1921 geborenen Ihrke vielschichtig und dokumentiert auch ein Stück Sylter Zeitgeschichte. »1938 weilte Ihrke erstmals auf der Insel, seine Schulklasse bezog damals Quartier im Klappholttal«, weiß Rietz. Ihrke schrieb seine Jahresarbeit als Abiturient über Sylt und besuchte das Eiland dann nach Kriegsende ab 1946 über Jahrzehnte hinweg. Meist blieb er die ganzen Sommer über und dies vornehmlich in Kampen. »Viele Jahre wohnte er dort im Haus ›Frisia‹, später im umgebauten Schweinestall des Bauern Runkel«, berichtet Rietz.
Das Kampener Kliff, im Hintergrund das Haus »Kliffende«
Carl Ihrke war ein vielschichtiger Mensch und Künstler. An der Hochschule für Baukunst und bildende Künste in Weimar hatte er von 1942 bis 1945 Bühnenbild, Architektur und Malerei studiert, arbeitete später als Bühnenbildner, Maler, Grafiker und auch als Bildhauer. Ihrke war Mitglied des Hamburger Künstlervereins und galt als der populärste Harburger Künstler der Nachkriegszeit. Viele seiner Werke zeigen historische Bausubstanz, die längst abgerissen wurde.
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Das Wahrzeichen des Dorfes, der Leuchtturm, als Linoldruck
Auch auf Sylt bildete er gerne das Überlieferte ab. Häufig waren es alte Kampener Friesenhäuser wie etwa das »Rote Haus« oder der »Ziegenstall« von Valeska Gert. Doch auch die Buhnen am Kampener Strand, der Leuchtturm und das Leuchtfeuer dienten ihm als Motive, oft für markante Linolschnitte. Ausstellungen wurden im Kaamp-Hüs gezeigt und im Auftrag der Kurverwaltung Kampen gestaltete Ihrke Leporellos und Kunsthefte, die als Weihnachtsgrüße an Stammgäste verschickt wurden. Und auch für das 1979 kreierte Kampener Wappen mit der Stranddistel schuf der Künstler die Vorlage. »Die Schönheit des Ursprünglichen hat Carl Ihrke zeitlebens berührt«, konstatiert Simon Rietz.
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Dieses Motiv einer Stranddistel diente als Vorlage für das markante Kampener Wappen.
Dünkel war dem Maler fremd. Fand ein Bild das Gefallen des Betrachters, so gab er es ihm für ein paar Mark oder gar umsonst. Statt in der Kampener Szene hielt sich Ihrke lieber bei den Rettungsschwimmern und Strandkorbwärtern auf. »Gern lief er im Bademantel durch den Ort und wurde scherzhaft Tarzan genannt, weil er Ähnlichkeit mit dem Schauspieler Johnny Weissmüller hatte«, schmunzelt Simon Rietz.
Obwohl schon in seinem Harburger Elternhaus ein Linolschnitt von Carl Ihrke an der Wand hing, wurde Rietz erst vor etwa zehn Jahren durch einen Freund auf seinen Landsmann wirklich aufmerksam. Seitdem hat der Ingenieur einiges von und über den Künstler zusammengetragen. Signierte Druckgrafiken etwa und etliche alte Zeitungsberichte. Der Archsumer stöberte im Sylter Archiv und fragte bei eingesessenen Kampenern nach. Bei Gerd Böhm etwa, der einen Linolschnitt hütet, der noch einen freien, inzwischen längst verbauten Blick über Kampen zeigt.
Auch in Kampen trug Carl Ihrke fast immer sein Markenzeichen: eine Baskenmütze. Es mag eine Reverenz an jene Zeit in den 1950er- und 1960er-Jahren gewesen sein, als er Südfrankreich, Nizza und Paris besuchte, den Kubismus schätzen und vermutlich auch Pablo Picasso kennen lernte. Nachdem Ihrke 1983 im Alter von erst 61 Jahren verstarb, wurde sein künstlerischer Nachlass in die Sammlung des Altonaer Museums eingegliedert.
Dr. Simon Rietz indes wird weiter »Puzzleteile aus dem Leben dieses interessanten Künstlers« suchen und ist für jede Nachricht unter seiner E-Mail-Adresse simon.rietz@gmx.de dankbar. Carl Ihrke aus der Vergessenheit ins Licht der Gegenwart zu rücken, ist das Anliegen des Archsumers. Eine Ausstellung im Kaamp-Hüs sei für ihn denkbar, auch eine Publikation oder womöglich eine Stele auf dem »Kampener Kunstpfad«: »Ich sehe der Zukunft gespannt entgegen.«
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Dr. Simon Rietz mit einer vom Künstler signierten Collage. Carl Ihrke schrieb darunter: »Kampener Bilderbogen. Meine vielen Erlebnisse und Erinnerungen in langen Jahren sind so auch ein Stück zu Hause. Man könnte sagen: Es war sehr schön. Man könnte sagen: Es ist ein Teil meines Lebens.«
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KUNST IM KAAMP-HÜS
DER BLICK AUFS SCHÖNE
Abwechslungsreicher und vielseitiger als die Ausstellungen im Kaamp-Hüs? Geht nicht! Einen deutlichen Roten Faden aller Ausstellenden eines Jahres gibt es indes schon: Alle Künstler*innen besitzen ein hohes Maß an Sylt-Bezug.
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Im September können sich Gäste und Einheimische zunächst auf die Werke von Ulrike Bosselmann freuen. Noch bis zum 30. September zeigt die Malerin ihre Meer-Impressionen zu den Öffnungszeiten des Kaamp-Hüs. Die Faszination und Kraft des Meeres sowie die scheinbar grenzenlose Weite von Wasser und Himmel in immer neuen Varianten sind der Impuls für das Werk der Künstlerin aus der Lüneburger Heide.
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Design, Mode und Malerei sind für Kim Benck aus List schon ihr ganzes Leben lang Inspirationsquelle, Lebensaufgabe und Rückzugsort zu gleichen Teilen. Die gebürtige Hamburgerin wuchs zwischen Nord- und Ostsee auf und lebt seit fast 30 Jahren auf der Insel. Die Unternehmerin (»Paradise Customs«) und vierfache Mutter hat ihren Fokus gerade in den letzten Jahren wieder vermehrt auf ihre eigene Kreativität und ihre großformatigen Bilder gelegt, die fast alle durch Inselmotive und -ereignisse inspiriert sind und immer ein Augenzwinkern transportieren. Auf Kim Bencks große Ausstellung »Da« dürfen sich alle Interessierten vom 1. Oktober bis zum 3. November freuen.
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Vom 6. November bis zum 19. April gibt es die Möglichkeit, die Werke von Natascha Dänner in Augenschein zu nehmen. Ihre Ausstellung trägt den Titel »Farbspiel der Gezeiten«. Wie für viele andere Künstler*innen vor ihr ist Natascha Dänner das Meer ein unerschöpflicher Quell der Inspiration. Die Künstlerin kreiert eine faszinierende dreidimensionale Textur, die den Betrachter tief in die Bilder eintauchen lässt. Die Magie der Nordsee lässt sich aus dieser Perspektive förmlich spüren.
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SOMMERSEHNSUCHT
Und hier eine Rote-Kliff-Impression von Ina Landt, die noch einen Hauch Sommer in sich trägt. Die Worpsweder Kunstgrafikerin und ihr Lebens- und Kreativ-partner Markus Landt sind der Insel seit vielen Jahren verbunden (sie sind Bruder und Schwägerin des Kampener Künstlers Thomas Landt) und stellten schon mehrfach im Kaamp-Hüs aus. Die Grafiken der Landts sind im Shop des Kaamp-Hüs erhältlich. Mehr Infos: www.kunstgraphik.blogspot.com
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NICHT VERPASSEN
Noch bis Anfang Januar zeigt das »Sölring Museum« in Keitum eine Sonderausstellung mit den Werken des Lehrers, Kampener Bürgermeisters und vor allem Fotografen Bleicke Bleicken. Zu seinen grandiosen Porträts von Sylter Alltagsmenschen lag ein Schwerpunkt des 1973 verstorbenen Multitalents auf der experimentellen Landschaftsfotografie. Bleicken schätzte die Avantgarde-Fotografie der 20er-Jahre und nahm vor genau 100 Jahren selbst die Kamera in die Hand. Einen Teil seines Nachlasses erhielt das Sylt Museum als Schenkung. Passend zur Ausstellung und anlässlich des 50. Todestages des Fotografen wurde ein wunderbares Buch veröffentlicht: »Mein Sylt«.
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INSPIRATION FÜR DIE SEELE
DIE AUSSTELLUNGEN IM KAAMP-HÜS SIND ZU DEN
ÖFFNUNGSZEITEN DES HAUSES –
MO. – DO. 10 – 16 UHR UND FR. & SA. 10 – 13 UHR –
FREI ZUGÄNGLICH.
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