CAMPINGPLATZ KAMPEN
WO GEHT’S DENN HIER ZUR HAFENSTRASSE?
Kampen für unter 50 Euro für zwei Personen mitten im Sommer? Zwischen Dünen und Wäldchen und mit einem der schönsten Wege an den Strand, den die Insel zu bieten hat? Gibt es nicht? Gibt es doch! Im eigenen Wohnwagen. Bei Harald und Mustafa auf dem Kampener Campingplatz. Wenn die 120 Plätze des idyllischen Fleckchens auch hoch gefragt und entsprechend schwer zu bekommen sind. Denn der Anteil der Wiederkehrer und Dauercamper auf dem Areal, auf dem bis nach dem Zweiten Weltkrieg noch militärische Baracken standen, ist enorm. PROKAMPEN hat für die Herbstausgabe mit zwei Kampen-Aficionados gesprochen, die das kultivierte Campen in Kampen lieben: Mathilde und Hans Grewing. Sie kommen seit 40 Jahren. Mit wachsender Begeisterung.

Es ist amtlich: Für 40 Jahre Treue zum Dorf wurden die Grewings ins Kaamp-Hüs geladen und dort von Birgit Friese in aller Form empfangen.
Blümchen gab’s zum Jubiläum von der Tourismusdirektorin, zwei Bücher, eine Anstecknadel und ein gehaltvolles Gespräch im »Kaamp Meren«. Mathilde und Hans Grewing aus Westenholz in Westfalen lieben solche Momente. Begegnung, Gemeinschaft, Geselligkeit. In vielerlei Form. »Aber wir mögen auch ganz besonders, dass es bei uns auf dem Campingplatz Buchten für beinahe jeden Platz gibt – das garantiert ein schönes Maß an Privatsphäre«, sagt Mathilde Grewing, die die selbstbestimmte Mischung aus Rückzug und Gemeinschaft schätzt.
Als optimale Version dessen empfindet sie auch »unsere Kampener Hafenstraße«. So wurde nämlich von Dauergästen die Reihe 15 auf dem Platz getauft. Die Anrainer sind langjährig hier verwurzelt, kommen aus allen Regionen der Republik und haben gepflegte Rituale: So gibt es zwischen den Campingwagen ein Herbstfest im Oktober, bevor der Platz sich leert und winterfest gemacht wird. Man unternimmt gut organisierte Radtouren, grillt zusammen und bleibt das ganze Jahr über in Kontakt – vornehmlich per Hafenstraßen-WhatsApp-Gruppe.
„Wir alle schätzen die Ruhe und auch die Freiheit der jeweils anderen.«
Anders als in der gleichnamigen Straße in Hamburg St. Pauli geht es hier deutlich weniger wild und umtriebig zu. Aber vielleicht ähnlich solidarisch. »Bei uns gibt’s nie Remmidemmi wie früher in Hamburg. Wir alle schätzen die Ruhe und auch die Freiheit der jeweils anderen. Gemeinschaft gibt es bei uns zu ausgesuchten Anlässen. Im hohen Respekt voreinander, aber freundschaftlich verbunden«, beschreibt es Hans Grewing.
Seit die beiden vor einigen Jahren in den Ruhestand gingen, verbringen sie gerne bis zu zehn Wochen im Jahr in Kampen. Nicht immer gemeinsam. Aber meistens. »Unser großes Glück und zweites Zuhause« nennen die beiden den Platz 73, den sie im nächsten Jahr vielleicht noch einmal mit einem neuen Campingwagen bemöbeln wollen. Das gute Stück bleibt jeweils auch in den Wintermonaten auf der Insel untergestellt. In einer Scheune in Morsum. »Das ist praktisch und erspart uns das Hin und Her«, meint Mathilde, die noch bis vor kurzem alte Menschen mit Demenz gepflegt hat.
Dauerchillen ist in der Sommerfrische überhaupt nicht das, was die Grewings suchen: Täglich wird die Sylter Natur erwandert oder auf weiten Radtouren genossen. Das Ehepaar nutzt auch gerne das reiche Sylter Kulturangebot und ist mit Freunden unterwegs. Neuerungen, die ihnen in Kampen gefallen? »Wir sind begeistert, dass es jetzt die ›Bücherdeele‹ gibt und kaufen regelmäßig beim ›Kampener Kaufmann‹ ein. Nicht nur, wenn wir die Zwiebeln vergessen haben. Das nahe Einkaufen ist eine Qualität. Das sollte man wahrnehmen, damit es auch funktionieren kann für die jungen Leute dort. Denn sowas wie der Kaufmann gibt dem Dorf Seele«, versichert Hans Gerwing, der bei den beiden für den Einkauf zuständig ist. Exquisit zu kochen, das ist Mathildes Steckenpferd. Sie kultiviert ihre Kochkunst auch auf dem Campingplatz. »Ich bin da gut aufgestellt in meinem Vorzelt und kann alles zubereiten, was das Herz begehrt.«
Während die beiden also gar nicht so oft auswärts essen sind, lieben sie es doch, auf einen Drink ins Dorf zu gehen. Und an dieser Stelle schwingt bei den beiden ein wenig Wehmut mit. »In den 80er-Jahren, als wir nach Kampen kamen, da gab es noch das ›Kampen-Eck‹ von Dieter Gärtner. Da traf sich Gott und die Welt – und wir hatten so viel Spaß. Auch ein gepflegter Drink an der Tankstelle von Hartmut Plambeck war ’ne feine Sache. Es wäre schön, es gäbe wieder sowas wie eine Kneipe, die niedrigschwellig ist«, meinen die beiden zur Ortsentwicklung.
Entdeckt haben die seit ihrer Jugend leidenschaftlichen Camper die Insel vor 40 Jahren, als sie einer Freundin halfen. »Ihr Kind hatte Probleme mit der Lunge. Wir haben die beiden nach Sylt begleitet und dabei den Kampener Campingplatz entdeckt. Was für ein Glück«, meinen die Grewings, die dankbar sind für ihr gemeinsames Leben. Und das Miteinander ist in diesem Jahr bereits seit 50 Jahren amtlich: Die beiden feiern dieses Jahr auch ihr Goldenes Ehejubiläum. Das geschah erst in aller Form mit 100 Freunden und Bekannten. Im Herbst folgt noch ein schönes Frühstück mit den Nachbarn aus der Kampener Hafenstraße. Denn Gemeinschaft muss gepflegt werden.
Der idyllische Platz mit Spielplatz und Shop ist jedes Jahr von Ende März bis Ende Oktober geöffnet. Auch über den Jahreswechsel und über Biike können Gäste in Kampen campen.
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Kultiviertes Urlauben – aber zwanglos und in aller Form – ist genau das, was Mathilde und Hans Grewing an die zehn Wochen im Jahr auf dem Kampener Campingplatz zelebrieren.
Foto Luftaufnahme: ©TSK | Illustration: AdobeStock/Jeksonjs
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