MELF PETERSEN ZEIGT SEINE ARBEITEN IN DER »KUPFERKANNE«

Da, wo die Bäume sich dem Westwind beugen, das Himmelsgrau ungezählte Schattierungen kennt, der Winterabend um 15.30 Uhr beginnt und »Jo« ein ganzer Satz ist, haben sich Menschen auch in Sachen Humor und Hintersinn an die reduzierte Umgebung angepasst. Wenn also in Nordfriesland, genauer gesagt in der 222-Seelen-Gemeinde Bosbüll bei Niebüll, jemand künstlerisch arbeitet, hält er es mit seinem kreativen Alter Ego so wie mit allen anderen Dingen im Leben: Er geht die Sache knapp, spröde, trockenhumorig und pragmatisch an. Und so wurde mitten in der nordfriesischen Pampa vor ein paar Jahren aus einem dieser kollektiven nordischen Melf Petersens ein ebenso schlichter Pelf Metersen. Ein Künstlername, mit kleinem Einsatz und Riesenwirkung. Einer, der die Mundwinkel Richtung Himmel verschiebt und stille Freude erzeugt.
Allein dafür könnte man den nordfriesischen Pelf-Melf feiern, ohne jemals seine Arbeiten gesehen zu haben. Aber es kommt noch besser. Denn Melf Petersen macht Grafiken, Illustrationen, Siebdrucke und Designs, die ähnlich cool, unaufgeregt und unerschütterlich sind wie seine Heimat: Der 37-jährige Nordfriese bricht die Landschaft um ihn herum auf charakteristische Formen herunter, setzt sie sach- und fachgerecht neu zusammen und versteht so zu zeigen, was den Norden und die Westküste im Innersten ausmacht.
Das ist supermodern, holt einen gleichzeitig über einen angenehmen Retro-Touch ab und besitzt obendrauf noch diesen innovativen »Neo-Kirchenfenster-Kick«. Melf nutzt Siebdrucktechnik und die Gestaltung am Rechner im Wechsel. Manchmal tauscht er etliche Male zwischen beiden Arbeitsweisen hin und her. So lange, bis er mit dem Ergebnis zufrieden ist. Dann lässt er los. Auch das kann er gut. Und Worte übers Werk sind jetzt sicher für seinen Geschmack auch schon mehr als genug verloren…
1000 Mal gesehen, aber noch nie so: Das Rote Kliff à la Pelf Metersen
Tatsache ist, dass Melf Petersens Arbeiten den Menschen im Norden gefallen. »Jo, das scheint wohl so. Freut mich«, wird er dazu sagen, wenn man ihn morgens in seiner Werkstatt in Bosbüll besucht. Die Tatsachen sprechen für sich: Er hat aktuell eine Dauerausstellung im fancy »Beach-Motel« von St. Peter-Ording, illustriert Plakate für das »Skandaløs«- und auch das »Bulli-Festival«, entwickelt Logos und Corporate Designs für Unternehmen. Immer wieder hat er auch Aufträge von nordfriesischen Gemeinden. Gerade arbeitet er am Redesign der Firmen-Optik der »Blackbarrel Roastery« mit Sitz im Lübke-Koog. Und über guten Kaffee nähern wir uns mit Riesenschritten seiner Verbindung zu Kampen.
Denn Melf hat über den Barista der Kampener Kupferkanne, Fabian heißt er, einen Draht auf die Insel bekommen. Kaum hatte man in der »Kupferkanne« seine Arbeiten gesehen, schon wollte man Pelf Metersen – mit seinen angenehm unkitschigen Küstenmotiven, Drucken, Postkarten, Shirts. Genauer gesagt kann man seine Arbeiten bei der Coffee-Bar auf dem weiten »Kupferkannen«-Areal in Augenschein nehmen. »Wann immer möglich, komme ich auch gerne mal selbst in Kampen vorbei«, berichtet Melf. Dass geht nicht ständig, aber immer mal wieder. Ist also nicht exakt planbar. Denn Melfs Lebensbauchladen ist bunt und fordert ihn an mehreren Stellen.

Auch unser Titel ist ein Original Pelf Metersen.
Dass es für ihn mit der Grafik, dem Design und der Kunst so gut läuft, ist noch nicht allzu viele Sturmfluten her. Denn Melf Petersen hat zunächst lange professionell Musik gemacht.
Mit der Indiepop-Band »Torpus and the Art Directors« komponierte, textete, arrangierte und konzertierte er nach Anfängen in der nordfriesischen Heimat zehn Jahre lang von Hamburg-Ottensen aus. Mit ziemlich fettem Erfolg – sogar in Skandinavien und anderen europäischen Ländern trat die Band auf. Irgendwann gab’s in der künstlerischen Entwicklung des Quintetts unterschiedliche Auffassungen davon, wie es weitergehen soll. Ein Klassiker.
Melf und seine Frau Jana gingen 2018 zurück in den Norden. In Bosbüll zogen sie in ein altes Haus im Familienbesitz und richteten sich ihr neues Leben ein. Mit inzwischen zwei Kindern und viel Freude. Musik macht Melf aktuell eher »heimlich« – mit Freunden hinter der Tür seines Tonstudios. Aber das kann sich auch wieder ändern.
So, und jetzt ist genug gesabbelt. Melf muss los und sich um seine beiden Zwerge kümmern. Denn die Freude und die Aufgaben rund um Kinder und Haushalt teilen er und seine Frau zu gleichen Teilen. »Ein Privileg«, nennt das Melf. Lassen wir also seine Bilder sprechen: beim Besuch in der »Kupferkanne« oder jetzt schon hier in der PROKAMPEN.
Bildergalerie
- Pelf Metersen
Wer noch mehr wissen möchte: www.pelfmetersen.de

In seiner Werkstatt in Bosbüll nutzt Melf Petersen vor allem den Morgen, um seine nordfriesische Heimat erfrischend reduziert einzufangen.
ANZEIGE