No 93
Herbst 2024
17/18

1993 schockiert der Brandanschlag auf eine türkische Familie in Solingen die Republik. Eine Bombe in der Parkgarage des »World Trade Center« kostet sechs Menschen das Leben. In Stuttgart wird die Leichtathletik-Weltmeisterschaft ausgerichtet. In den deutschen Kinos werden die Filme »Jurassic Park« und »Schindlers Liste« zu Kassenschlagern. Der Eurodance-Song »Mr. Vain« ist 1993 der Sommerhit. Und was haben Kampen und der Rest der Insel so alles erlebt? In einer bunten Mischung stellen wir Ereignisse des Jahres 1993 zusammen – passend zur PROKAMPEN No. 93.

Text: Frank Deppe  |  Bilder: Archiv Frank Deppe


Foto: Böhm

Schönheitskur fürs Quermarkenfeuer

Das 1912 gebaute Kampener Quermarkenfeuer erfährt 1993 eine Sanierung. Zunächst wird der obere Teil des elf Meter hohen Türmchens mit dem Sandstrahler bearbeitet, dann folgen Rostschutz und Lackierung. Zudem werden Teile der Stahlkonstruktion ersetzt, Fensterglas durch Plexiglas ersetzt und Graffiti beseitigt. Die Sanierung kostet 30.000 Mark, wobei die Gemeinde den Löwenanteil in Höhe von rund 25.000 Mark durch Spendengelder einwerben kann.

Foto: Village

AUSGETANZT

In den 1970er-Jahren zählte die Kampener Disco »Village«, in der Rolf Seiche hinter dem Tresen stand, zu den angesagten Adressen. Schließlich schloss die Institution ihre Pforten, wurde 1993 abgerissen und durch einen Neubau ersetzt, der seitdem als Hotel geführt wird.



Träume der anderen Art

Die Weltelite der Skifahrer zu Gast in Kampen? Das war der Traum der beiden Gastronomen Pius Regli (»Manne Pahl«) und Jörg Hinck (»Pony«), deren »Skiclub Kampen« sich offiziell um die Ausrichtung der alpinen Skiweltmeisterschaft 1993 bewarb – was aus unerfindlichen Gründen abgelehnt wurde. Regli und Hinck hatten den »Skiclub Kampen« vier Jahre zuvor aus einer Bierlaune heraus gegründet. Ihr zweiter bis dato unerfüllter Traum: an der Uwe-Düne einen Kinder-Schlepplift und einen Vierer-Sessellift zu installieren...





TIEFE VERNEIGUNG VOR GRET PALUCCA 

Im Kampen gab sie eines ihrer letzten Konzerte: 1993 verstarb die Tänzerin Gret Palucca im Alter von 91 Jahren. »Auch mal mit dem Kopf tanzen – und manchmal mit den Beinen denken.« Dies waren die ungewöhnlichen Worte einer außergewöhnlichen Frau. Bereits in jungen Jahren wurde sie zu einer der bedeutendsten Darstellerinnen des Ausdruckstanzes. Der Tanz war ihre eine Liebe – die Insel Sylt die andere. Als Gret Palucca 1950 ein letztes Mal in Kampen auftrat, notierte die Presse »Das ganze Eiland war auf den Beinen, die Inselbahn setzte einen Sonderzug ein«.





 Giftalarm am Strand 

In der Nacht vom 8. auf den 9. Dezember 1993 gehen dem Containerfrachter »Sherbro« bei schwerer See 88 Container über Bord. Einige brechen im hohen Wellengang auseinander. Wochen später treibt ihr brisanter Inhalt an die Strände: kleine Tüten mit weißem Pulver. Es handelt sich um das hochgiftige Mittel »Apron plus«, eine Saatbeize gegen Pilz- und Insektenbefall. Mehr als 8000 Beutel werden an Sylts Stränden und andernorts eingesammelt.

 

TRAGISCHER UNFALL – TRAGISCHES NACHSPIEL

Im Dezember rast nachts ein Auto inmitten von Kampen frontal in das Heck eines mit Betonteilen beladenen Sattelschleppers, der in einer Bushaltebucht geparkt ist. Der schwer verletzte Fahrer wird von der Feuerwehr aus dem Wrack geschnitten und mit einem Rettungshubschrauber ausgeflogen. Doch dieser touchiert auf dem Festland im dichten Nebel eine Hochspannungsleitung und stürzt ab, das Unfallopfer und der Bordtechniker versterben.

 



Sylter Geschichten 

Die Popularität der Insel wurde durch eine neue Fernsehserie noch größer: Mehr als 4,6 Millionen Zuschauer sahen die erste Folge der »Sylter Geschichten«. Insgesamt sollte es die Unterhaltungsserie, bei der Schauspieler wie Claus Wilcke, Ralf Wolter und Evelyn Gressmann mitwirkten, auf 25 Folgen bringen. Als TV-Berater auf Sylt immer dabei: Oswalt Kolle, »Aufklärer der Nation« und langjähriger Kampen-Stammgast.




Es sprudelt

Nach 16 Monaten Bauzeit wurden im September die Abfüllanlage und das Quellenhaus der Sylt-Quelle in Rantum eingeweiht, die damit pünktlich zum 750-jährigen Bestehen des Ortes Rantum sprudelte. Das Wasser wurde südlich von Rantum unterhalb der Dünenvegetation aus Brunnen gefördert und durch Rohrleitungen zur Abfüllanlage nahe des Hafens geleitet.

NICHT DIE LOTTOZAHLEN…

…dafür aber die künftigen Postleitzahlen der Inselorte wurden zu Jahresbeginn von dem Sylter Post-Betriebsleiter verkündet. Statt vierstellig sind die Postleitzahlen künftig fünfstellig; für Kampen etwa wird aus der 2285 die 25999.

SYLT IN (URLAUBS-)ZAHLEN

1993 verbuchte die Insel 638.000 Gäste, die 6,5 Millionen Übernachtungen verbrachten und im Schnitt 10,2 Tage blieben (zum Vergleich: Heute sind es nur noch 7,5 Tage).


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