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In dieser Serie stellen wir Sylter Projekte vor, die unbedingt unterstützenswert sind. Vor allem aber porträtieren wir Menschen, die sich ehrenamtlich für andere engagieren und dabei manchmal bis an den Rand ihrer eigenen Kraft gehen. So wie im Fall von Tom Langmaack, dem Ersten Vorsitzenden des gelb-rot-blauen Sport Club Norddörfer (SCN).
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Der SCN ist der nördlichste Fußballclub Deutschlands. Da List halt auch noch einen Sportverein hat, ist er in dieser Kategorie immerhin der zweitnördlichste. In seiner Fußballsparte besitzt der Verein mit sechs Mannschaften den meisten Wumms. Dazu kommt ein richtig guter Flow und ohne Ende Sympathien: Denn während alle anderen Sylter Fußballsparten vor über 20 Jahre zum »Team Sylt« fusionierten, blieben die Kicker von Kampen und Wenningstedt-Braderup autonom. Und genießen daher in etwa den Status wie das kleine gallische Dorf im Verhältnis zum Römischen Reich. Ein Lokalderby »Team Sylt« versus »SCN« sorgt auf der Insel für ähnlich viel Stimmung und Identifikation wie Fußballbegegnungen zwischen den Hamburger Traditionsvereinen, bloß halt alles in niedlich und mit einer Spur mehr Selbstironie. Der kleine Sportverein zwischen Wenningstedt und Kampen ermöglicht jedenfalls Dorfleben wie aus dem Bilderbuch. |
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Der Vorsitzende des Ganzen ist erst 30 Jahre alt und trainiert seit 2,5 Jahrzehnten selbst hier auf dem großen Fußballplatz an der L 24 zwischen Wenningstedt und Kampen. Dort, wo dank seines Bettelrundrufs bei Freunden und Sylter Unternehmen seit zwei Jahren eine Flutlichtanlage für längere Trainingszeiten in den dunklen Monaten sorgt. Dort, wo es jetzt 450 Mitglieder gibt statt vor kurzem noch 260, als Tom »den Laden« übernahm. Dort, wo die Herrenmannschaft gerade von der Kreisklasse (völlig verdient) in die Kreisliga aufgestiegen ist und sich auch hier zum Saisonauftakt total gut macht. |
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Die beste Herrenmannschaft der Insel
trainiert (wo sonst?) im Club zwischen
Wenningstedt und Kampen. Hier im Aufstiegstaumel…
»Das ist schon ganz schön schön«, freut sich Tom, der gerade etwas piratenmäßig aussieht – mit seiner Augenklappe. Das ist kein modisches Requisit für die Underdog-Aura à la St. Pauli, sondern eine medizinische Notwendigkeit. Denn Tom hat beim Aufstemmen einer Wand im Vereinsheim einen Splitter abbekommen, der ihn fast auf einem Auge blind gemacht hätte. »Alles für den SCN«, meint Tom grinsend. Ein Mann, der eigentlich lieber handelt als groß zu reden.
Aber für den Verein gibt er auch mal ein Interview. Denn er hat Projekte im Köcher, die Unterstützung brauchen! »Eine Tribüne wäre mega, weil wir jetzt immer richtig viele Zuschauer haben! Und wenn wir als Verein weiter wachsen wollen und neue sportliche Disziplinen anbieten möchten, brauchen wir auch dringend ein neues Vereinsheim mit ordentlichen Umkleiden und Gruppen-Trainingsräumen für zehn bis 30 Personen«, so Toms Vision, die möglichst bald auf den Boden der Wirklichkeit kommen soll.

Im »wirklichen« Leben ist Tom Langmaack der Chef im Familienbetrieb »Cafe Wien« mit über 70 Mitarbeitenden. Vater ist er auch schon. Sein Sohn Noah ist natürlich seit Geburt SCN-Mitglied. Bei aller Taktung seines Alltags: Was er unter keinen Umständen verpasst, ist das Training seiner Mannschaft und eben, wenn es im Vereinsheim zum Beispiel eine Wand einzureißen gilt oder auf dem Wenningstedter Dorfteichfest Würstchen zu grillen sind – für die Vereinskasse, versteht sich.
»Hättest Du mich im vergangenen Winter gefragt, hätte ich die SCN-Zukunft nicht so rosig gesehen. Es gab menschlich einige Enttäuschungen bei uns und wir waren längst nicht so gut aufgestellt. Dann kamen etliche junge Lehrer vom Schulzentrum in die Mannschaft – und das gab eine tolle Dynamik«, freut sich Tom Langmaack. Sportlehrer Moritz Piossek bringt gute Ideen ein, ebenso wie Nick Schmidt, Deutschlehrer am Gymnasium und neuer Teamchef bei den Herren. Seit er die Mannschaft managt, ist der Teamgeist so stark wie nie, aber vor allem entwickelt man sich fußballerisch krass weiter. »Klassenerhalt«, formuliert der Coach das Ziel dieser Saison.
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Der Präsident und die Legende:
Mit Coach Sam haben schon zwei Generationen
kleine Sylterinnen und Sylter Fußball trainiert.
Eine Persönlichkeit, ohne die der ganze SCN heute mit großer Wahrscheinlichkeit nicht mehr existieren würde, ist kaum einen Tag nicht präsent auf dem Rasen oder im Vereinsheim. Die Rede ist von Sam Beese, dem Urgestein, der noch mit Mitte 70 mehrere Kindermannschaften trainiert. Der Mann mit den vielen Ecken und dem großen Herzen, mit dem schon zwei Generationen von Kindern und Jugendlichen herangewachsen sind, sich auch mal an ihm abgearbeitet haben und den viele sehr verehren. »Wir treffen uns in der Sam-Beese-Arena«, heißt es darum unter Insidern, wenn man sich auf dem Platz zum Training, zum harmlosen Kicken oder zum Zugucken verabredet.
Das SCN-Gelände ist auch außerhalb der Trainingszeiten Treffpunkt: ein nagelneues DFB-Feld (»Käfig«) war von der Gemeinde und dem Förderverein der Schule von langer Hand geplant und sorgt jetzt für ganz viel spontane sportliche Begegnung. In den Sommerwochen ist die gesamte Anlage vormittags an die Rummenigge-Fußballschule vermietet. Was Geld in die Vereinskasse spült. »Aber unsere Fahrtkosten sind natürlich immens. Zudem versuchen wir unseren jugendlichen Trainern wirtschaftliche Anreize durch kleine Honorare zu geben. Das alles bei möglichst geringen Gebühren für unsere Mitglieder«, lenkt Tom auf ein Thema, das für die Vereinszukunft existentiell ist.

Ein SCN-Mitglied entdeckte den »verletzten« Spieler
auf dem Müll und päppelte ihn wieder auf.
Jetzt ziert er das Vereinsheim.
Derzeit gibt’s beim SCN neben Fußball noch Kinderturnen, »Fit for Fun«, Yoga, Dart, Tanz und die asiatischen Kampfkünste Taekwondo und Muay Thai. »Dadurch, dass unsere halbierte Turnhalle sehr ausgebucht ist, bräuchten wir dringend mehr Raum für weitere Angebote und für vernünftig große Umkleiden. Wir würden supergerne das Vereinsheim an der Straße neu bauen, dann könnte man auch die Parkplatzsituation entzerren. Denn im Augenblick teilen wir uns die Zufahrtsfläche mit der Schule, die den Raum als Pausenhof braucht«, erläutert Tom die suboptimale Situation. Den Support der beiden Gemeinden Kampen und Wenningstedt-Braderup für das aktuelle Vereinsleben, aber auch für Modernisierung und Weiterentwicklung haben Tom, sein Vorstands- und Trainerteam. »Aber für den Neubau bräuchte es natürlich Sponsoren. Sylter und Zweitheimische, denen der Sport und das dörfliche Leben am Herzen liegen!«, meint Tom.
Kleinvieh macht bekanntlich auch Mist. Und daher ist diese Art der Unterstützung ebenfalls hilfreich: Als Unternehmen kann man auf der Bande rund um das Spielfeld eine Fläche zu Werbezwecken mieten. Eine analoge Fläche versteht sich – wir sind ja auf dem Dorf. Ein paar Plätze sind noch frei.
BEI FRAGEN
Mail: info@sc-norddörfer.de // Tel.: 0171 2144481
instagram: scnorddoerfersylt

Was wäre ein Fußball-Club ohne eine Hymne?
Nüscht. Der SCN hat natürlich eine.
In unserer digitalen Ausgabe auch zum direkt hören!
Jetzt mal gleich reinhören!
BILDER von Tom LAngmaack: Nicole Mai
Foto vom Trainer: Maike Rudloff
ILLUSTRAtionen: AdobeStock/ thebaikers; AdobeStock/ Kseniia
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