No 97
Herbst 2025
16/18


Prinzessin Diana verstirbt bei einem Autounfall in einem Pariser Straßentunnel: Die Fernsehübertragung ihrer Beerdigung sehen 2,5 Milliarden Menschen. Nach 99 Jahren unter der Kolonialherrschaft Großbritanniens fällt Hongkong wieder an China zurück. In Albanien kommt es zu schweren Unruhen, und dem norwegischen Polarforscher Börge Ousland gelingt eine Antarktis-Durchquerung allein und ohne Hilfsmittel. Die beliebtesten Vornamen des Jahres lauten »Anna« und »Jan« und zu den beliebtesten Kinofilmen zählen »Titanic«, »Men in Black« und »Jurassic Park«. Und was haben Kampen und der Rest der Insel so erlebt? In einer bunten Mischung stellen wir Ereignisse des Jahres 1997 zusammen – passend zu unserer PROKAMPEN No. 97.


Text: Frank Deppe  |  Bilder: Archiv Frank Deppe



Waterkant trifft Alpenland

1997 wurde die Partnerschaft begründet, die bis heute anhält und viel mehr als ein Marketing-Coup und eine fruchtbare Kooperation ist: die Liaison zwischen Kampen und der Gemeinde Lech Zürs. Viele persönliche Freundschaften entstanden auf allen Ebenen in den 28 Jahren. Eine wunderbare Energie machte tolle Projekte möglich: Die Palette reichte dabei vom urigen »Skihüttenfest« am Kampener Strand bis hin zum alpinen »Kampener Riesentorlauf« in Lech, Kampen ließ Strandkörbe und Mini-Leuchttürme nach Lech bringen. Dort revanchierte man sich gleich zu Anfang der Partnerschaft mit einer Skigondel. Diesen Sommer trugen Musiker aus Lech Zürs zum Erfolg des Kampener Sommerfestes bei.



An originellen Tauschobjekten mangelte es 
in der 28-jährigen Freundschaft zwischen 
Kampen und Lech Zürs nie...





Eindeutig zweisprachig!

1997 genehmigte das schleswig-holsteinische Verkehrsministerium, dass die Gemeinden im Kreis Nordfriesland zweisprachige Ortsschilder auf Deutsch und Friesisch aufstellen dürfen. Primus war Kampen, wo die Neuerung zum ersten Mal umgesetzt wurde. Seitdem begrüßt das Dorf die Besucher mit »Kampen« und dem friesischen Zusatz »Kaamp«.







Legendäre Lage, legendärer Name

Haus »Kliffende« empfing vor genau 100 Jahren seine ersten Gäste. Gastgeberin Clara Tiedemann wurde Sylts erste »Promi«-Wirtin. Bis 1955 begrüßte sie namhafte Sommerfrischler wie den Literaten Thomas Mann oder den Maler Emil Nolde. Seit 1997 befindet sich das schmucke Einöd-Gehöft in Privatbesitz. Zuvor hatte es die »Deutsche Bank« als Gästehaus für ihre leitenden Angestellten genutzt und ein erfolgreiches Pilotprojekt im Küstenschutz finanziert: Dabei handelte es sich um so genannte Geotextilien – mit Sand gefüllte Polyester-Säcke –, die unterhalb des Kliffs eine massive Barriere gegen Sturmfluten bilden.





Spektakuläre Landung

Eine »fliegerische Glanzleistung« attestierte die Presse Peter Siemiatkowski: Der Sylter Pilot hatte mit seiner Cessna eine Frau und ihre beiden Kinder von Hamburg abgeholt, als es bei der Landung auf dem Sylter Flughafen technische Probleme mit dem Fahrwerk gab. Schließlich musste Siemiatkowski die Maschine mit dem Rumpf auf einer Rasenfläche neben der Landebahn aufsetzen – was nahezu unbeschadet gelang.



Sachen gibt’s…


Als der Keitumer Friedhofswart an einem Dezembermorgen 1997 die Kirche betreten wollte, machte er einen ungewöhnlichen Fund: An der Mauer hatte jemand zwei historische Grabplatten abgestellt. Drei Tage später gab ein anonymer Brief Aufschluss über den kuriosen Zugewinn: »Vor etwa 30 Jahren war unser Vater als Handwerker auf Sylt tätig. Vom Keitumer Friedhof nahm er als Andenken zwei Grabplatten mit, die seit dieser Zeit in unserem Haus standen. Unser Vater wünschte sich, dass die Steine nach seinem Tode wieder auf den Friedhof zurückgebracht werden. So ist es nun geschehen.«




Echt schön!


Im Alter von nur 27 Jahren wurde die Hörnumer St.-Thomas-Kirche wegen  »schön und einzigartig« unter Denkmalschutz gestellt. 



Eine Renaissance


Der Munkmarscher Hafen war vor dem Dammbau das Tor zur Insel. Dort stand auch das Fährhaus, das den Passagieren als Wartehalle und auch als Restauration diente. In der Ära der Urgroßeltern von Dirk Erdmann (»Hotel Rungholt«) erlebte das Fährhaus ab 1894 eine Blüte als Hotel, Café und Restaurant. Viele Jahrzehnte später überließ ein späterer Eigentümer das Fährhaus sich selbst. Das leerstehende Gebäude verfiel zusehends – die Außenwände wurden beschmiert, Fensterscheiben eingeworfen und statt Urlaubern nahmen Obdachlose hier ein Nachtquartier. Doch 1997 erhob sich das Traditionshaus wie Phoenix aus der Asche: Nach einer aufwändigen Sanierung wurde zunächst ein Restaurant eingeweiht – zwei Jahre später folgte die Eröffnung des angeschlossenen Hotels.

Vor seiner Renaissance 1997 schien das Fährhaus dem Abriss geweiht.




» » Tragisch « «

Ein Paar wollte die Abendsonne auf dem Balkon seiner Wenningstedter Ferienwohnung genießen. Die Idylle endete abrupt: An einem milden Juniabend hatte es sich das Ehepaar bequem gemacht, als der Balkon (1. Stock) aus der Verankerung brach und in die Tiefe stürzte. Die Frau wurde in die Westerländer Klinik eingeliefert, ihr Mann musste mit dem Rettungshubschrauber ausgeflogen werden. Materialverschleiß war die Ursache des Unglücks.

....................................


Wenn sich die 100 Millionen Volt eines Blitzes entladen, sind Leib und Leben in Gefahr. Es sollte ein schöner Spaziergang werden – einmal in die Hörnumer Dünen und zurück. Doch für einen 57-Jährigen  und seinen Mischlingshund wurde es der Weg in den Tod: Die beiden wurden von einem Blitz getroffen. Andere Spaziergänger alarmierten den Notarzt – jede Hilfe kam zu spät.