Fotos: Maike Rudloff & Text: Imke Wein
SARAH SACHS & IHR ERSTES MAL
Surfen, Yoga, Golf – viele Sportarten assoziiert man gerne, wenn man sie nicht gerade selbst praktiziert, mit einer Reihe Klischees. Gerade beim Golfsport sind die besonders hartnäckig. »Zu elitär«, »kein echter Sport«, nur für »alte Leute« ist nur eine kleine Auswahl. Der »Golf-Club Sylt« und die angeschlossene »Golf Academy« der Familie Owen arbeitet da seit Jahrzehnten höchst erfolgreich gegen an. Mit niedrigschwelligen Angeboten für Neulinge und konsequenter Jugendarbeit, die zum Beispiel kleinen Locals – wie den Kindern der Grundschule gegenüber – ermöglicht, die Faszination des weißen Balles zu erleben.
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DIE PROBANDIN: SARAH SACHS, Diakonin der Norddörfer Kirchengemeinde, seit Frühjahr dieses Jahres zuständig für die Seniorenarbeit, eigene Gottesdienste und auch für den »Bibelschnack« (sehr zu empfehlen!). Sarah ist zweifache Mutter, THE TEACHER: ALLAN OWEN, aufgewachsen in Schottland, entfacht auf Sylt seit Jahrzehnten die Golf-Leidenschaft bei Menschen aller Generationen. Head-Pro beim GCS, mit wunderbaren pädagogischen und fachlichen Skills ausgestattet. Er dreht aber auch selbst mit Ambition seine Runden über die Golfplätze dieser Welt, läuft zum Ausgleich und liebt das Konzept des »lebenslangen Lernens«. |
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1. Eine Stunde!
Allan hat sich eine schöne Stunde Zeit genommen für Sarahs Golf-Premiere. Gar nicht so easy in seinem Sommer-Terminkalender. Von der allerersten Einführung bis hin zu Trainingseinheiten für ehrgeizige Sportler, Schüler im Alter zwischen sechs und 90 Jahren, manchmal über Generationen. Allan liebt es, sich stets aufs Neue auf unterschiedliche Bedürfnisse und Persönlichkeiten einzulassen.
Vor dem ersten Mal steht das Warmmachen. Denn die Twists und die Balancen, die der Körper für den richtigen Schwung und die Abschlag-Technik braucht, wollen vorbereitet sein. Sarah macht schon hier eine »verdammt gute Figur« und erweist sich in der Kombi aus Respekt vor der Sache und einer gewissen Furchtlosigkeit von Anfang an als Musterschülerin. »Bislang habe ich nur Erfahrung mit ›Minigolf‹«, sagt sie lachend. »Aber auch da will ich nie verlieren!«
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2. Wichtig vor dem Start:
Kleine Vermessung von Sarahs Gardemaß von 1 Meter 78 und die Auswahl des richtigen Schlägers. Sehr hilfreich während der ersten Session: Allan quält die Novizin überhaupt nicht mit Fachtermini. Ein Schläger ist ein Schläger. Für den Moment jedenfalls. Was der Unterschied ist zwischen Driver, Holz, Eisen, Hybrid, Wedge oder Putter – ein anderes Mal vielleicht.
Allan ermöglich Sarah, total im Erleben zu bleiben und den Kopf für die essentiellen Dinge einer ersten Golfstunde frei zu halten.
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…und essentiell ist jetzt die Haltung vor dem ersten Mal. Die Position des Menschen zum Ball. Die artgerechte Weise, den Schläger zu greifen, der schön grade Rücken, das Beugen der Knie und natürlich der Twist des Körpers beim Schwung holen. Sarah lernt anatomische Besonderheiten von Golfspielern, denn sie haben auch noch ein »Auge« im Rücken und im Bauch, um sich ideal zum Ball (»kleiner weißer Teufel!«) und zum Ziel auszurichten…
3. Allan empfiehlt eine kleine Checkliste, als wäre man Pilot.
Jedes Mal vor dem Schwung. Schultern, Arme, Hände, Füße, Rücken, Knie, Twist… Bis irgendwann wie beim Reiten, Tennis, Fahrradfahren die Bewegungen in »Fleisch und Blut übergehen«. Und das kann bekanntlich etwas dauern. Körper und Gehirn brauchen halt, um derart komplexe Abläufe auf die Reihe zu bekommen und zu automatisieren.
»Golfspielen ist nachweislich die anspruchsvollste Ballsportart«, erzählt Alan. Das schult neben vielen anderen Dingen auch die Demut vor dem Prozess. Seine Mischung aus Empathie, ehrlicher Begeisterung und Kompetenz holt einfach jeden ab. Kein Wunder, dass er so erfolgreich ist als Lehrer. »Während das Drumherum bei vielen Ballsportarten aber immer gleich ist, erlebt man beim Golfsport neue Landschaften, Bedingungen.
Gemeinschaft, wenn man möchte. Es ist einfach das Schönste, was es gibt«, sagt er mit seinem »sweeten« Rest-Akzent, der ihm auch nach Jahrzehnten auf einer kleinen friesischen Insel geblieben ist.
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4. Sarah ist hochkonzentriert, lauscht und setzt um.
Allan hat mit ihr »leichtes Spiel«. Seine Anweisungen fallen auf sehr fruchtbaren Boden. »Jedes Mal in Ruhe meine Checkliste durchzugehen – das hilft total«, weiß Sarah schon nach 20 Minuten. Was Allan wiederum Freude bereitet. »Hätte ich gewusst, was für ein Naturtalent Du bist…«, versichert er. In der Allan-Owen-Training-Box am weiß-schwarzen Leuchtturm ist beste Energie im Spiel an diesem grauen Augustmorgen.
5. …und dann kommt der Moment der Momente
Sarah, die Checkliste, der Schläger, der kleine weiße Teufel, Spannung bis ins Unermessliche, der erste Schlag und der Ball fliegt Richtung Norden – wie aus dem Bilderbuch. Frenetischer Applaus vom Lehrer, weil er damit gar nicht gerechnet hatte. Denn beim ersten Mal auch zu treffen, ist alles andere als selbstverständlich. Sarah strahlt übers ganze Gesicht und will mehr.
Höher, weiter und geschmeidiger, gleich beim nächsten Schlag….Dass »mehr wollen« nicht automatisch »mehr erreichen« heißt im Golfsport – ist auch eine Lektion, die gelernt werden will.
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6. Juhu…
Es folgen ein gutes halbes Dutzend Schwünge (und Abschläge), von denen kaum einer richtig daneben geht. Allan rät Sarah unbedingt weiterzumachen. »Du bist wirklich talentiert. Man merkt, dass Du viel Ballgefühl hast. Noch ein paar Stunden zu nehmen, zu üben, die Platzreife zu bekommen – das wären die nächsten Steps«, sagt er freilassend und freut sich über den Erfolg dieser Schnupperstunde.
In Allan Owens »fliegendem Klassenzimmer« gibt es auch unterstützende Technik. In diesem Fall genutzt, um zu zeigen, dass Sarah (fast) alles richtig gemacht hat.
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7. Und Sarah, wie war’s für Dich?
»Was für eine besondere Erfahrung. Alle meine Vorurteile – mit einem Abschlag weggepustet. Ich find’s richtig cool.«
Allan schenkt Sarah noch einen Schläger zum Wiederkommen und ist dann mal weg – beim nächsten Schüler, auf dessen individuelle Bedürfnissen er eingehen wird, um das Beste aus ihm herauszuholen.
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FAKTEN ZUM GOLF-CLUB SYLT Auf Sylt gibt es gleich vier sehr unterschiedliche Plätze. (Allan: »Für jeden Geschmack und jeden Moment das Richtige!«) Der GCS wurde 1982 gegründet. Seine 18 Bahnen auf 65 Hektar wurden in den letzten Jahren für 2,5 Millionen Euro komplett erneuert. Der Verein zählt aktuell 1.300 Mitglieder. Club-Präsident ist seit letztem Jahr Dirk Erdmann. Clubmanagerin ist Silke Althoff. Die Club-Gastronomie bietet auch für Nicht-Golfer ein Köstlichkeiten. In der »Golf Academy« und im »Pro Shop« gibt Familie Owen, bzw. Jessica Deshogues-Kühn, Stieftochter von Allan Owen, den Ton an. Auf der App des Golf-Clubs (im App-Store) ist auch der Turnierkalender für diesen Herbst mit allen Terminen zu finden. |
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