Du hast eine Picknick-Decke und heißen Cappuccino mitgebracht. Krass, wie umsichtig. Danke. Wovon halte ich Dich gerade ab? // Jörn Steffen: Wir haben heute mit dem »Sylt Fräulein« und unserem Auto-Partner »Heico Sportive« ein Shooting mit unseren Volvos. Aber die bekommen das bestimmt auch für einen Moment ohne mich hin.
Jetzt sitzen wir hier unterm Kampener Quermarkenfeuer – was verbindet Dich mit diesem Ort, wann warst Du das letzte Mal hier? Sei ehrlich – viele Sylter Wirte schaffen es über Jahre nicht in die Natur. // Das letzte Mal war ich am 12. Februar 2023 hier, dem Hochzeitstag meiner Eltern. Es ist ein spirituell guter Ort, prima zum Nachdenken, Einsichten gewinnen. Außerdem kann ich direkt bis zum »Odin« rüberschauen – in einem weiten Bogen. Die Bauherren des Odins, das Ehepaar Thams, hatten auch mit dem Bau des Quermarkenfeuers zu tun, das 1913 eingeweiht wurde. Das »Haus Odin« entstand 1927 – und ist benannt nach
einem Kreuzfahrtschiff, dem Salon-Schnelldampfer »Odin«, auf dem die Eheleute zuvor gereist waren.
Die Geschichte des Hauses und seiner Bauherren hat Euch konzeptionell und gestalterisch inspiriert. Dazu gleich mehr. Eine Frage noch zu Deinen Eltern – was haben die damit zu tun, dass Du heute Gastgeber auf Sylt bist? // Ganz viel. Wir waren eine große Familie, ich habe heute noch vier von fünf Geschwistern, meine Eltern leben beide nicht mehr. Sie waren unglaublich gastfreundlich, offen und konnten sensationell gut feiern. Sie haben jeden von uns individuell gefördert, als wären wir lauter Einzelkinder. Das war die beste Grundlage, um die eigenen Träume Wirklichkeit werden zu lassen. Ich bin in Niederkleveez am Dieksee mitten in Schleswig-Holstein groß geworden. Die Lust auf Wasser und Weite habe ich daher.
Du bist genau seit zehn Jahren auf Sylt. Erst warst Du Geschäftsführer in der »Sturmhaube« und bist jetzt im sechsten Sommer mit Sigrid Rothbart ein Gastgeber-Dreamteam. Deine Connection zu Südafrika hat auch einen breiten Erfahrungshorizont: Du hast dort lange gelebt und gearbeitet. Eure Form von Gastlichkeit ist mehr als gutes Essen und Trinken, es ist ein Erlebnis. Das spiegelt sich in jedem Detail – von Eurem Corporate Design, über die eigenen Wein- und Kaffee-Kreationen, über den Cruise-Look im Gastraum, die Events, das Rainbowteam und die entsprechende Speisekarte: Bei Euch kann man was erleben, es wird die Seele berührt. So geht es mir jedenfalls. Ist das das Resultat einer unbändigen Kreativität? // Sagen wir mal so: Früher übernahmen auf Sylt die Gastgeber in den Häusern, Hotels und Pensionen schon einen Groß-teil der Aufgabe, für Erlebnisse und persönliche Ansprache zu sorgen. Diese Quelle für menschlich warme Momente sprudelt nicht mehr so: Es gibt auf Sylt immer mehr Vermiet-Agenturen und private Einzelhäuser. Wir haben allein in Kampen in den letzten Jahren 250 Betten verloren. Aber wir brauchen individuellen Tourismus, kantige Typen, Gastgeber mit Leidenschaft – das macht Sylt aus. Heute hängt dieser Auftrag also viel mehr an uns Gastronomen als früher. Deshalb sollten wir Konzepte mit Leben füllen, die Menschen abholen, urlaubseasy sind und die Phantasie beflügeln. Etwas, das man nicht schon im Alltag täglich findet. Die Sylter lieben das auch, das Besondere, das Persönliche. Bei Sigrid und mir liegt in der Zusammenarbeit der Glücksfall vor, dass wir beide vor Ideen sprudeln und immer eine Dynamik entwickeln, den anderen so zu unterstützen, dass die Visionen auch Wirklichkeit werden.
Ein Beispiel für Visionen, die Wirklichkeit werden, ist Euer Umbau und das konsequente Umsetzen des Südafrika- und des Kreuzfahrt-Spirits. Das findet in jedem Detail seinen Ausdruck. Erzähl mal vom »Käptn’s Dinner«… // Wir stechen mit Gästen aller Generationen alle paar Wochen in See und steuern schönste Ziele an – z. B. Lissabon, Venedig, Kapstadt natürlich, Edinburgh. Diese Abende sind immer auf 30 »Passagiere« zugeschnitten. Jedes Element im Storyboard – von der Deko über die Musik bis hin zum Wein – passen zum Ziel der Reise. Bis jetzt mündete das Dinner jedes Mal in wunderbaren Momenten auf der Tanzfläche. Für die Termine zu den »Käptn’s Dinners« informiert unser Newsletter – auf www.odin-deli.com kann man sich anmelden.
Gibt es noch mehr Odin-Entertainment diesen Sommer? // Wir haben gerade einen Flügel angeschafft und es wird diesen Sommer eine kleine Jazz-Club-Konzertreihe geben. Die Künstler und Termine stehen auch auf der Homepage. Na ja, und dann gibt es natürlich unser Sommerfest für geladene Gäste, das ist inzwischen auch wie so eine gesellige Oase für Sylter Freunde – mitten im Sommer.
Eure Küche besitzt auch im »Restau-rant-alltag« den südafrikanischen Schwerpunkt, setzt aber auch auf Gerichte aus der ganzen Welt. Wer realisiert diese Philosophie bei Euch eigentlich? // Also, ich bin der Patron in der Küche und habe eine riesige Freude an unserem Konzept und an meiner Aufgabe. Den Rainbow-Spirit bildet unser ganzes Team ab. Wir sind für diesen Sommer gut aufgestellt. Ab August übernimmt unser Maître, Michael aus Südafrika, die Regie in der Küche. Wir haben einen Fünf-Jahres-Vertrag miteinander abgeschlossen. Das ist ein Geschenk, das das geklappt hat…
Seltener Moment der Muße: Interview unterm Leuchtturm.
Dann kommen wir mal zum größten Coup der Saison. Stichwort: St. Peter-Ording. // Also, die Geschichte geht so: Wir hatten einen begeisterten Gast, er ist leider schon verstorben. Ein Großgastronom. Ihm war es eine Herzensangelegenheit, dass wir das gesamte Odin-Konzept aus Kampen nach St. Peter-Ording »exportieren«. Dort passiert ja seit ein paar Jahren touristisch ganz viel Spannendes. Long story short: Jetzt feiern wir dort gerade Richtfest. Es entsteht ein »Odin« mit Restaurant und Deli, das in einem großen L um eine offene Showküche herum angelegt ist. Ich freu mich so.
Gut, wenn man bei all den Projekten als Chef auch delegieren kann… kannst Du? Zum Schluss noch ein anderes großes Thema. Kampen hat seit zehn Jahren einen engagierten Unternehmerverein. Von den 93 Unternehmungen im Dorf ist die Hälfte Mitglied. Du hast den Vorsitz. Und gerade ist Euch ein kleines Meisterstück gelungen. Erzähl! // Es gab ja eine Unterdeckung für das Kampen Jazz Festival. 50.000 Euro fehlten, um das glamouröse Live-Spektakel zu finanzieren. Birgit Friese kam zu uns in eine Sitzung, und wir konnten viele Betriebe und auch Hausbesitzer und Kampenfans animieren, spontan je 1.000 Euro als Patenschaft zu übernehmen. Wir hatten ganz schnell 46.500 Euro zusammen. Großartig, oder?
Richtig gut. Ach ja, jetzt sitzen wir hier wie die Meisterurlauber. Wann hast Du das letzte Mal selbst Ferien gemacht? // Das ist schon so ein paar Jahre her. In einer Pandemie lässt ein Kapitän sein Schiff und seine Crew nicht alleine, dann war da der Umbau, und jetzt mussten wir natürlich dafür sorgen, dass der Kahn ordentlich Fahrt aufnimmt. Hat geklappt…
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› Alle Infos zum Odin: odin-deli.com und unter kampener-unternehmerverein.de
Illustrationen: AdobeStock/ppdesign/Yana/Christian Horz