No 92
Sommer 2024
15/18

Im niederländischen Maastricht wird der Vertrag über die Europäische Union unterzeichnet und Bill Clinton zum Präsidenten der USA gewählt. Bei den Olympischen Sommerspielen in Barcelona gewinnt die deutsche Mannschaft 33 Gold-, 21 Silber- und 28 Bronzemedaillen: dritter Platz im Medaillen-Spiegel. Tage der Schande: In Rostock-Lichtenhagen greifen Hunderte von Menschen die Zentrale Aufnahmestelle für Asylbewerber an. In Deutschland kostet der Liter Super-Benzin 1,56 D-Mark. Der erfolgreichste Song 1992 heißt »It’s my life« von Dr. Alban und das Rotkehlchen wird zum »Vogel des Jahres«. Und was haben Kampen und der Rest der Insel so alles erlebt? In einer bunten Mischung stellen wir Ereignisse des Jahres 1992 zusammen – passend zur PROKAMPEN No. 92.

Text: Frank Deppe  |  Bilder: Archiv Frank Deppe


Kunst im Kuckucksweg

Der »Kampener Kunstpfad« hat ihm eine Stele gewidmet: Am 20. September 1992 verstarb der Tänzer und Maler Alexander Camaro. Von der Hektik der Großstadt in die Inselidylle: Alexander Camaro pendelte nach Ende des Zweiten Weltkriegs bis kurz vor seinem Tod immer wieder zwischen Berlin und Kampen, wohin ihn »die Liebe zum Meer und zur Landschaft« zog. In den 1960er-Jahren engagierte sich Camaro in einem individuellen Kampener Kunstverein, der bemerkenswerte Ausstellungen von Künstlern aus ganz Deutschland präsentierte. 1971 richtete sich der Künstler dann im Kampener Kuckucksweg ein Sommeratelier ein, wo er insbesondere großformatige Ölbilder schuf.

KLEINES HAUS – GROSSE ANERKENNUNG

Freude bei der Kampener Hoteliersfamilie Scheppler: Ihre gastliche Herberge »Ahnenhof« wird in den renommierten Gastroführer »Gault Millau« aufgenommen – als einziges Kampener Haus und eins von neun Hotels auf Sylt, wobei der »Gault Millau« die »besonders angenehme Atmosphäre« lobt.


Sprottes Stiftung

Der Maler Siegward Sprotte, der seit 1949 bis zu seinem Tode 2004 in Kampen lebte und arbeitete, gründete 1992 in seinem Geburtsort Potsdam mit Unterstützung von Freunden und Sammlern aus aller Welt die gemeinnützige Siegward Sprotte Stiftung. Das Anliegen der Stiftung: die Pflege und Aufarbeitung seiner malerischen und sprachlichen Lebensarbeit.





»Hommage« 

…an die 1978 in Kampen verstorbene Ausdruckstänzerin Valeska Gert: Die Schauspielerin Elletra da Salvo bestritt im Frankfurter Theater »Mousonturm« eine Vorstellung unter dem Titel »Bleiche weiße Leiche: Hommage an Valeska Gert«. Die »taz« schrieb 1992: »Den Ausbrüchen der Gert auf der Bühne  stellt Elletra da Salvo ein privat wimmerndes Muttchen gegenüber. Darin mag Wahrheit liegen.«





 Deich Drama 

»Der Deich an der Kampener Vogelkoje muss dringend saniert werden«, mahnte Conrad Hansen, Vorsitzender des Landschaftspflege-Ausschusses der »Sölring Foriining« 1992. Der Schutzwall sei in mehreren Bereichen abgesackt, die Deichkrone an vielen Stellen beschädigt. Empört zeigte sich Hansen über die Reaktion des Landesamtes für Naturschutz: Aus dessen Sicht werde eine Deichsanierung abgelehnt. Man wolle das Ökosystem bewusst sich selbst überlassen, eine Deichsanierung könne nicht als geeignete Maßnahme für die Pflege und Entwicklung des Areals eingestuft werden. Happy End folgt …

 


MEILENSTEIN FÜR GOLFER

Es ist der prägende Tag des Jahres 1992 im »Golf-Club Sylt«: Nach einer Bauzeit von 14 Monaten wird das Clubhaus auf dem zwischen Kampen und Wenningstedt gelegenen Areal eingeweiht. Über 400 Mitglieder und Gäste sind dabei, als Präsident Werner Mangelsen die Feierlichkeiten eröffnet. 



Helmut & Felipe auf Sylt 

Zu einem Gipfeltreffen kamen Bundeskanzler Helmut Kohl und Spaniens Ministerpräsident Felipe Gonzalez auf die Insel. Ein großes Aufgebot an Sicherheitskräften reiste mit, die Westerländer Nordseeklinik bekam für den Fall der Fälle die Blutgruppe des Kanzlers mitgeteilt. Am Flughafen standen junge Marinesoldaten Spalier, mit denen der Kanzler eine kurze Unterhaltung führte.





Diese Lady

…zieht noch heute die Blicke auf sich: der markante Brunnen mit der »Dicken Wilhelmine« in der Westerländer Innenstadt. Geschaffen hatte ihn die Sylter Bildhauerin Ursula Hensel-Krüger, die 1992 im Alter von 66 Jahren den Freitod wählte, vermutlich aus Trauer über den frühen Tod ihres Sohnes.

Der populärste Kicker Franz Beckenbauer (l.), hier im Gespräch mit dem Westerländer Altliga-Spieler Gunter Boysen.

STERNSTUNDE MIT KAISER

Rundum zufrieden zeigten sich die Veranstalter einer großen »Fußballgala«: 6500 Zuschauer waren ins Westerländer Sylt-Stadion geströmt, um Stars wie Franz Beckenbauer oder Toni Schumacher zu erleben und Autogramme einzuheimsen. Organisator Ulrich Drewitz, Direktor des Westerländer »Dorint Hotels«, summierte letztlich 60.000 Mark Einnahmen, die einem guten Zweck zugute kommen sollten.


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