No 92
Sommer 2024
10/18

DAS NEUE GESICHT IM GEMEINDEBÜRO

Treffpunkt »Kupferkanne«. Dort, wo die Holzbänke mit Fernsicht über Wuldeschlucht und Watt stehen. »Verrückt, dass wir uns hier treffen. Denn die Bänke gehören ja auch zu unserem Zuständigkeitsbereich. Zu jeder einzelnen gibt es eine Geschichte – manche sind sehr berührend«, berichtet Kati Syring, die in diesem Frühjahr ihr »Multifunktionsamt« im Gemeindebüro mit einem richtig guten Gefühl in die kompetenten Hände  der Kampenerin Anja Kautz übergeben hat.

Kati sagt noch »wir«, obwohl sie schon vor ein paar Wochen in aller Form verabschiedet wurde. Kein Wunder. Denn die Wahl-Tinnumerin ist ihren Aufgaben im »Kaamp-Hüs« 23 Jahre lang mit großer Freude nachgegangen. Jetzt sind ihre beiden Kinder fast erwachsen und die in Schwerin ausgebildete Verwaltungsfachfrau geht ihrer zweiten Berufung in aller Konsequenz nach: »Anderen Menschen zu helfen und sie wieder in ihre Energie zu bringen – das liegt bei meiner Familie auf der DNA. Ich bin damit groß geworden, dass meine Verwandten zum Beispiel Gürtelrosen und Warzen besprochen haben. Und ich habe diese Gabe auch. Konsequenterweise habe ich mich schon früh in unterschiedlichen Bereichen der Energiearbeit, wie zum Beispiel ›Reiki‹, ausbilden lassen – 2022 habe ich den ›kleinen‹ Heilpraktiker für Psychotherapie gemacht. Ich bin jetzt selbstständig mit meiner eigenen Praxis. Das fühlt sich richtig gut an«, erzählt Kati Syring.* 

Das berühmte »lachende und weinende Auge« ist bei ihr kein Spruch, wenn sie an ihren Abschied im Kaamp-Hüs denkt. »Ich bin so vertraut mit den Menschen in Kampen, ich habe hier im Dorf auch zehn Jahre gewohnt, bin mit all den Themen und dieser wunderbaren Art des Miteinanders tief verbunden. Das vermisse ich natürlich, aber trotzdem war es ein guter Schritt.«

Eine Auswahl des Arbeitsportfolios dieses Postens: mit Bürgern und Gästen in allen Belangen des Dorfes kommunizieren, Anregungen und Beschwerden bearbeiten, neue Projekte begleiten, Bewerbungen auf die gemeindeeigenen Wohnungen verwalten, politischen Sitzungen vor- und nachbereiten, den »Second-Hand- Markt« und andere Dorf-Ereignisse koordinieren, den Terminplan für die Bürgermeisterin organisieren und Geschenke für Jubiläen und Geburtstage im Dorf besorgen.  All das und noch viel mehr. 

»Jeder Tag ist spannend«, versichert Anja Kautz, die »Neue«. Sie ist die Nichte von Jörg und Anette Runkel, den einzigen beiden Landwirten in Kampen, und wohnt mit ihrem Mann Sebastian** und der kleinen Tochter Mira im ursprünglichen Bauernhaus der Familie im Brunnenweg.

Weil ein Ort wie Kampen nur so lebendig und vielschichtig sein kann, wie die Bewohner*innen ehrenamtlich aktiv sind, hatte Anja letztes Jahr begonnen, sich neben ihrer Arbeit als Prokuristin bei einem renommierten Sylter Weinhandel als bürgerliches Mitglied im Tourismus- und Finanzausschuss einzubringen. »Eine inhaltlich sehr interessante Aufgabe. Als dann Katis Stelle ausgeschrieben wurde, habe ich nicht lange gezögert und mich beworben. Denn mir ging es wie ihr: Ich wollte beruflich nochmal etwas Neues wagen«, berichtet Anja. Für Bürgermeisterin Steffi Böhm, für Kati und das ganze Team wurde Anja wegen ihrer großen Expertise und ihrer Persönlichkeit zur absoluten Wunschkandidatin unter den vielen Bewerber*innen. 

Ihr politisches Mandat musste sie natürlich für den neuen Job aufgeben, damit sie nicht befangen ist. Innerhalb kürzester Zeit hat Anja Kautz sich im Frühjahr tief in das vielschichtige Portfolio ihres Arbeitsplatzes eingearbeitet.

Unterstützung bei allen Inhalten und Abläufen fand sie in der Übergabephase noch bei Kati und natürlich beim ganzen Team des Gemeindebüros: Neben Anja haben im Kaamp-Hüs in der ersten Etage oben rechts noch Henning Hansen (zuständig für die Liegenschaften), Kirsten Biß (zuständig für das Bauwesen) und die Bürgermeisterin ihr Büro.

Anliegen von Bürgern und Gästen und auch deren Beschwerden auf den unterschiedlichsten Kanälen zu »managen«, ist ein roter Faden im täglichen Arbeitsprogramm von Anja. »Das gebührenpflichtige Parken in Kampen ist immer noch das Dauerbrenner-Thema (siehe unten). Ich versuche, mich immer in die Lage des Gegenübers zu versetzen und die Haltung und Argumente zu verstehen. Das hilft sehr«, meint Anja über ihren Umgang mit im Einzelfall auch mal ungehaltenen Menschen. Manchmal müsse man schon tief durchatmen, gibt auch Kati in der Nachbetrachtung gerne zu. »Ich bin in den Jahren dreimal sauer gewesen. Wir sind ja auch nur Menschen und geben alles.«

Ihre menschlichen Qualitäten stellt Kati auch in ihrem Ehrenamt zur Verfügung: Sie ist als Kirchengemeinderätin in der Norddörfer Kirchengemeinde tätig, hilft dort auch in der Jugendarbeit. Zusammen mit der Kampener Ex-Küsterin Katrin Wenzel-Lück hält sie sogar Gottesdienste, wenn Pastor Rainer Chinnow mal nicht da ist. Ohne freiwilligen, beherzten Einsatz geht eben nichts auf einer kleinen Insel. 

Ein Dreamteam, das auch künftig eng verbunden sein wird: Kirsten Biß, Kati Syring und Steffi Böhm.


Und jetzt zurück zu den Bänken. Das Sitzmöbel, auf dem dieses Interview geführt wurde, trägt die Messingaufschrift »Nitnatsnok«. Der Vorname Konstantin umgekehrt. Die meisten Widmungen der gespendeten Kampener Sitzbänke sind noch vielsagender und künden von Freundschaft, Liebe und Verbundenheit – manchmal von Tod und Abschied. Im Gemeindebüro im Kaamp-Hüs füllt die Korrespondenz rund um die Bankspenden einen ganzen Ordner. »Leider gibt es viel mehr Spendenanfragen als Standorte. Augenblicklich haben wir keine Kapazität für weitere Bänke. Wir melden uns wieder, wenn wir eine neue Bank brauchen können«,  meint Anja Kautz über eines der 1.000 Themen an ihrem spannenden neuen Arbeitsplatz im Gemeindebüro.

* Kati Syrings neue berufliche Adresse

** Anja Kautz’ Mann Sebastian engagiert sich jetzt auch ehrenamtlich im Dorf: bei der Freiwilligen Feuerwehr. Er wurde sofort aktives Mitglied, nachdem im Sommer 2022 ein Reetdachhaus in seiner unmittelbaren Nachbarschaft bis auf die Grundmauern abbrannte.







Das Thema, das per Mail, Besuch oder Anruf im Gemeindebüro wie kein anderes aufschlägt, dreht sich seit gut einem Jahr um das Parken in Kampen. Anja Kautz hat die wichtigsten Antworten zum Thema zusammengestellt:


› Ja, in Kampen gilt wie überall die Straßenverkehrsordnung – mit den entsprechenden Gebühren- und Bußgeldkatalogen.

› Nein, die Regeln dienen nicht der Bereicherung der Gemeinde Kampen, sondern der Vermeidung des zuvor herrschenden, manchmal lebensgefährlichen Parkchaos im Ort. (z.B. Versperrung der Rettungs-
wege!)

› Ja, auf dem Parkplatz »Sturmhaube« (9 – 19 Uhr) und »Buhne 16« (9 – 17 Uhr) ist das Parken im Sommerhalbjahr gebührenpflichtig. Per App oder Ticket. Für Parkende mit App: Sobald die Parkdauer überschritten ist, löscht die App das Ticket aus dem System. Für Kontrolleur Steffen Bruns ist nicht ersichtlich, ob der Parkende vorher ein Ticket hatte, selbst wenn die Parkzeit erst drei Minuten überschritten wurde. Für Parkende mit Ticket: Der Fahrer des Fahrzeugs ist selbst dafür verantwortlich, dass man das Ticket gut sehen kann.

› Ja, wenn der Automat defekt ist, muss man eine Parkscheibe benutzen.

› Nein, die bisherige Kollegin vom »Buhne 16«-Parkplatz ist nicht arbeitslos, sondern hat im Team eine neue Aufgabe.

› Nein, auf den Gehwegen ist Parken auch künftig nicht erlaubt.

› Ja, im Strönwai und auf dem Parkplatz Dorfmitte kann man mit Parkscheibe (bis 18 Uhr) zwei Stunden stehen. Das Parken auf dem Platz im Süden des Dorfes ist frei.

› Ja, beim Parken muss immer darauf geachtet werden, dass die notwendige Breite für Rettungsfahrzeuge gewährleistet ist.

› Ja, Kollege und Kontrolleur Steffen Bruns ist ein netter Mensch, der seiner Aufgabe beflissen nachkommt.

› Ja, Fahrrad zu fahren oder zu Fuß im Dorf unterwegs zu sein, ist die beste Lösung – im Sinne der Umwelt und für die eigene Gesundheit.





 NEU IM TEAM 

MATEJA MATOSEVIC MAG MARKETING
Ein schöner Zungenbrecher. Mit Wahrheitsgehalt noch dazu: Als Mateja vor ein paar Jahren ihre Tante auf Sylt besuchte, war sie so begeistert, dass sie direkt hierherzog. Die 27-jährige Kroatin hatte sich bis dahin in einem großen Lebensmitteleinzelhandel in Bosnien um so gut wie alles, auch um das Marketing, gekümmert. Die studierte Wirtschaftswissenschaftlerin startete ihr Leben auf Sylt dann mit einem Job als Verkäuferin bei »H.B. Jensen«. »Landschaftlich bin ich zwar eher Bäume und Berge gewohnt, ich habe mich aber sehr schnell an die Sylter Natur gewöhnt«, meint Mateja. Seit Mitte Mai gehört sie jetzt zum Kampen-Team und wird dort sowohl im Kontakt mit den Gästen am Counter sein wie auch die Bereiche  Marketing und soziale Medien mit Leben füllen. Privat schätzt sie an ihrem Inselleben die Ruhe, ausgedehnte Radtouren und ihre Trainingseinheiten im Fitnesscenter.


NELE MIT EINEM ›E‹
Seit Frühjahr 2023 ist Neele Schütze die Assistentin von Tourismusdirektorin Birgit Friese und Schlüsselfigur für Tagungen und Events. Für das nächste halbe Jahr ist »die Nele mit einem e« mit von der Partie. Die junge Frau mit dem komplexen, westfälischen Nachnamen Hilbk-Kortenbruck stammt aus Hamm, hat mit 25 Jahren bereits eine kaufmännische Ausbildung geschafft und dann ihr duales Studium im Tourismus-Management absolviert. »Den praktischen Teil meines Studiums habe ich im Reisebüro gemacht. Nach allen Prüfungen habe ich mich bei der ›Sylt Marketing‹ für ein Praktikum beworben – da gab es keine freie Stelle. Jetzt bin ich in Kampen. Mehr Premium-Destination geht ja nicht – das ist großartig«, meint Nele zufrieden. In den kommenden Monaten wird sie in alle Bereiche des Tourismus-Services hineinschnuppern. Zum Service am Counter, Unterstützung bei Events und Marketing kommt für Nele noch eine Spezialmission: Gemeinsam mit »Doppel-e-Neele« wird sie über den Sommer die Fußballsessions für Kinder am Strand vorm »Kaamps7« betreuen. Mit Garantie treffen kann man sie übrigens bei Sonnenuntergang am Kampener Weststrand: »Vielleicht wird das ja noch weniger, je länger ich hier wohne. Aber im Augenblick hält mich nichts, wenn sich ein schöner Sonnenuntergang anbahnt. Dann schnappe ich mir die Kamera und muss los!«


TSCHÜSS, ANNA!
Ihre zwei Jahre im Kampener Tourismus-Service beschreibt Anna Dobbek als »einzigartige Erfahrung«. Die gelernte Hotelkauffrau, die seit 16 Jahren auf der Insel lebt, hat es genossen, in Kampen mit den unterschiedlichsten Aufgabenstellungen betraut zu werden. »Wie im letzten Sommer bei ›Kampen Jazz‹ – wenn ein Riesen-Openair-Event plötzlich wegen des Wetters in einen Saal verlegt werden muss und das dann im Team gelingt – das werde ich nie vergessen«, meint die Listerin, die jetzt die »Neuen« mit eingearbeitet hat. Ihr nächstes berufliches Ziel: »Ich möchte mich gerne für den Bereich ›Social Media‹ fortbilden. Content zu kreieren, zu filmen und fotografieren hat mir sehr viel Spaß gemacht«, beschreibt Anna das, was sie auch in Zukunft am liebsten machen möchte. List bleibt für sie dabei auf absehbare Zeit die Homebase.



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