No 96
Sommer 2025
16/19

 In dieser Rubrik möchten wir Sylter Menschen, Vereine und Institutionen vorstellen, die sich für andere Menschen und wichtige Themen auf der Insel engagieren – Projekte, die vielleicht auch Sie unterstützenswert finden. 


TEXT: IMKE WEIN

 

Zurück in die Kraft durch »Meer Leben e.V.«

Der »Kulissen«-Fotograf dieser Ausgabe, Lars Jockumsen, besaß sein erstes eigenes Surfbrett mit acht und war stets mit seinen Kumpels am Surf-Hotspot der 90er- und frühen 2000er-Jahre an der Nordseeklinik anzutreffen. Er machte dann als Jugendlicher einen Ausflug in den ambitionierten Golfsport, doch das Surfen hatte ihn bald wieder. Ehrenamtlich engagiert er sich auf seiner Heimatinsel bei »Meer Leben e. V.«, die u. a. Surftherapien und -camps für schwerstkranke Kinder und Jugendliche anbieten.


Obwohl Lars’ künstlerische Ader sich schon früh bemerkbar machte, folgte er zunächst einem eher bürgerlichen Impuls, sorgte für eine »solide Basis« und lernte den Beruf des Raumausstatters beim Keitumer Traditionsbetrieb »Ewald«. Ein Fundament, das ihm bis heute im Job und im Ehrenamt zugutekommt. 

Den jungen Sylter zog es bald raus in die Welt. Er ging mit Anfang 20 auf eine »Work & Travel«-Tour durch Kanada, kam dort auf einer Lavendelfarm in Kontakt mit dem Besitzer einer Spiegelreflexkamera. Der Apparat begeisterte ihn so, dass er sich selbst einen kaufte. Seine Freude an der Fotografie verschaffte sich immer mehr Raum. Nach ausgedehnten Reisen durch Asien und Australien mit diversen Arbeitsstopps hatte er das Glück, in Hamburg bei einem Werbefoto-Atelier eine Ausbildung zu machen, bei der er von Highfashion-Produktionen über People- und Objektfotografie das ganze Spektrum erlernte. 

Mit seinem unaufgeregten Stil, der Menschen und Momente zum Leuchten bringt, fasste er als freischaffender Fotograf weltweit Fuß. Privat ist er heute überall dort auf dem Globus unterwegs, wo eine gute Welle läuft. 

»Als Surfer weiß man, welche Qualitäten der Umgang mit den Naturgewalten für Körper und Seele hat. Darum war ich sofort Feuer und Flamme, als ich von den Surftherapien auf Sylt erfuhr.« Lars lernte über ein Spenden-Schwimmrennen im Hamburger Stadtpark Florian Gränert kennen. Den Mann, der in der Wenningstedter »SyltKlinik« als Sportpädagoge das Konzept des therapeutischen Surfens inzwischen vor fast zwei Jahrzehnten entwickelt hatte. Aus seiner Arbeit mit an Krebs erkrankten Kindern und deren Geschwistern entstand 2020 »Meer Leben e. V.«. Neben der »SurfTherapie« bietet der Verein auch mehrtägige Camps, eine »MeeresSchwimmschule« für alle Kinder wie auch das Konzept »WattKoje« zur Erholung von Familien in schwierigen Lebenssituationen. »Bei den Surfcamps bin ich mit der Kamera im Wasser mit dabei und darf hautnah erleben, welche magische Wirkung das Wellenreiten auf die Kinder und Jugendlichen hat. Ohne Tränen, also Freudentränen, geht es bei mir eigentlich nie«, gesteht Lars, der inzwischen auch stellvertretender Vorsitzender des Vereins ist.

Beim Surfen ist jeder ganz im Moment. Das ist ein Teil des Zaubers.

Auf seiner Heimatinsel in seinem Lieblingselement zusammen mit Florian Gränert und dem Vereins- und Schulungsteam Gutes zu tun, erfüllt ihn sehr. Er unterstützt die Vereinsarbeit mit seinen Fotos und Manpower. Auch sein handwerklichen Skills sind gefragt: Denn seit Mitte April und vorerst bis Ende des Jahres hat der Verein ein eigenes Zuhause. In der Westerländer Norderstraße. Dort, wo zuvor »Eve’s Nightclub« und noch davor das »Schuhaus Lunk« war. Bis das Haus nun verkauft wird, darf »Meer Leben e. V.« es als Vereinsheim nutzen. »Die Renovierung haben wir in Eigenleistung gemacht, da habe ich ein wenig mit angefasst«, meint der menschliche Sonnenschein Lars bescheiden. Das Vereinsheim ist ein kleiner Traum für Jugendliche. Ein Ort, an dem liebevoll begleitet Kreativität gelebt, Yoga gemacht oder einfach nur gechillt werden kann. Zudem ein Ort, an dem die Arbeit von »Meer Leben e. V.« sichtbar wird. Ach ja, der Verein hat auch megaschickes Merchandising… die Kollektion kann man sich auch in der Norderstraße anschauen. An den Öffnungszeiten wird gerade unter Hochdruck gearbeitet. 

»Es wäre toll, wenn noch mehr Locals mit ihrer Zeit und ihren Talenten bei uns einsteigen. Großartig wäre es auch, wenn wir Unterstützer finden, die uns regelmäßig fördern. Auch fünf Euro im Monat helfen«, formuliert es Lars im Namen der Kinder und Jugendlichen und deren Geschwister, denen die Arbeit von »Meer Leben e. V.« hilft, zu einem neuen Körpergefühl und Selbstbewusstsein zu finden.


Fotos: Lars Jockumsen




Alle Infos auf der Vereins-Webseite, die gerade grunderneuert wird.  Für den professionellen Auftritt  des Vereins sorgt die Kommunikationsagentur »Godewind« pro bono. www.meerleben-ev.de






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