No 96
Sommer 2025
11/19


»Für so viel Output brauchen andere Jahre« 


Kiel, München, Freiburg – Stefan Postert hat in mehr als zwei Dutzend Städten Ortsentwicklungsprojekte auf den Weg gebracht – konzipiert, moderiert, ausgewertet. Sowas wie in Kampen hat er indes noch nie erlebt. Zu diesem Urteil kommt der erfahrene Planer aber nicht nur, weil die Kombination aus atemberaubender Natur, dörflichen und gleichzeitig weltläufigen Strukturen in Kampen so einzigartig ist – und er darum einen selten spannenden Auftrag hatte.

»Erfahrungsgemäß landen viele Ergebnisse von Bürgerbeteiligungs-Verfahren  in Schubladen. Kampen, also die Tourimusdirektorin,  die Bürgermeisterin und das Team, haben es dazu nicht kommen lassen, sondern über 30 Projektprofile öffentlich abstimmen lassen. Viele Ideen wurden sofort in Form gegossen und umgesetzt!  Großes Kino. Dafür brauchen andere Jahre«, meint der Experte anerkennend.



DAS VERFAHREN

Gemeinde und Tourismus-Service realisierten mit der Hilfe von Stefan Postert und seinem Team zwischen November und Anfang Mai ein dreistufiges Beteiligungsverfahren zur  Entwicklung Kampens. Mit von der Partie und fleißig bei der Arbeit: Ortspolitiker, Bürgerinnen und Bürger, Zweitheimische, Menschen mit und ohne Business. 

Der erste Akt war ein »Speeddating«, in dem Locals und Stakeholder des Ortes in Video-Interviews  vom Stadtentwickler-Team zum Dorf befragt wurden. Zu Phase zwei, dem ersten Workshop des »Kampen Forums«, kamen 170 Interessierte aus allen Himmelsrichtungen. 

Der Abend war etwas wild, aber sehr lebendig: mit vielfältigen und fruchtbaren Ergebnissen. Und das allein zählt: Denn aus all den Ideen, Themen und Vorschlägen, die im Kaamp-Hüs entwickelt wurden, synthetisierte Stefan Postert einen Projekt-Katalog, der beim zweiten Workshop und dritten Akt des Prozesses vorgestellt und über den dann digital abgestimmt werden konnte – auch nach Ende des Workshop-Abends.




»Mehr Begegnung bitte!«

Die Sehnsucht nach Gemeinschaft, dörflicher Nähe, niedrigschwelligen Angeboten im Dorf, der Nutzung vorhandener Orte und Strukturen im Dorf für mehr Geselligkeit, Sport und Kommunikation, das Erfrischen und Modernisieren vorhandener Orte und Rituale war den Workshop-Teilnehmenden ein großes Anliegen – weit mehr als große, schillernde Neuerungen und strukturelle Veränderung. Bei einer digitalen Abstimmung priorisierten die Menschen im Dorf folgende Projekt-Reihenfolge:

DIE PROJEKTE

  1. Kampen Sounds: Mehr Live-Musik im Dorf
  2. Die Kampen App
  3. Internationales Street Art Festival
  4. Kampen kulinarisch
  5. Kampen für Kids & Family
  6. Kampen trifft sich und seine Gäste
  7. Klönschnack im Kaamp-Hüs








SCHON UMGESETZT



Der erste »Kampener Klönschnack mit Olli« fand bereits Ende April statt. Der nächste Termin ist im September. Die junge Generation an Unternehmern im Dorf hat nach dem Forum sofort Aktion folgen lassen und Events für noch mehr Begegnung auf Augenhöhe umgesetzt. Viele Aktionen im Kultursommer des Tourismus-Services sind eine unmittelbare Antwort auf das Forum und zielen darauf ab, niedrigschwellige Begegnung zu ermöglichen. 



Ganz nach dem Motto »Euer Wunsch ist uns Befehl«:  Die ersehnte  Kampen App wird jetzt im Juli, zwei Monate nach Workshop-Ende, gelauncht. 



Das neue, zweitägige Dorffest in der Whiskymeile zahlt ebenfalls auf diese Sehnsucht ein, könnte zudem auch der Anfang eines »Street Art Festivals« sein, das sich die Community wünscht. Gemeinde und Tourismus-Service sind an diesem Thema dran. 



Mehr Angebote für Kinder, mehr Musik am Strand, mehr Sport und ein renovierter Literatursommer sind ebenfalls Impulse aus dem Forum, die sofort umgesetzt wurden.








»Ich finde es hoch anerkennenswert, dass eine solche Initiative stattgefunden hat. Direkter kann eine Beteiligung der Menschen im Dorf bei der Gestaltung der Zukunft nicht sein. Dazu kommt eine hochprofessionelle Vorbereitung und Moderation, die eine Entscheidungsfindung in die richtige Richtung gelenkt hat. Ich sehe die Kampen-Foren als einen Beginn zur aktiven Gestaltung der Zukunft. Die konkrete Arbeit beginnt erst jetzt. Wir dürfen uns freuen mitzuwirken, dass Kampen noch lebens- und liebenswerter wird.« Martin Buese, Unternehmer, hat seit 2006 seinen Wohnsitz in Kampen und brachte sein Kriterium beim »Kampen Forum« ein.

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»Auf der persönlichen Ebene fand ich es sehr spannend, Teil eines solchen Prozesses zu sein. Fruchtbar waren schon die Workshops selbst, denn: Wann kommen sonst so viele Menschen aus dem Ort zusammen und tauschen sich aus? Allein das hat sich schon gelohnt. Ich fand aber auch das Ergebnis bemerkenswert: Es gab vereinzelt auch den Wunsch, dass Deluxe-Segment mit noch mehr Angebot und Marketing weiter voranzubringen. Die Mehrheit wünschte sich aber, das Vorhandene emotionaler aufzuladen, zu modernisieren, mit neuen Projekten in die Zukunft zu tragen. Ein lebens- und liebenswertes Ergebnis.« Jenny Zimmerer, Kampenerin und Mitinhaberin der »Esel-Galerie«

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»Interessant fand ich, dass der Wunsch nach mehr Miteinander und gemeinsamem Leben im Mittelpunkt stand, dann aber ein Angebot wie der ›Klönschnack mit Olli‹ nur von ganz wenigen genutzt wurde. Will damit sagen: Zu mehr Geselligkeit im Dorf müssen wir dann auch alle beitragen, das hängt von uns ab. Das steht nicht in der Verantwortung der Gemeinde. Ich fand super, dass es so einen großen Verteiler für das Forum gab und wirklich jeder, der in diesem Ort arbeitet oder hier Wurzeln geschlagen hat, mitwirken konnte und ein offenes Ohr gefunden hat. Dass die Gemeinde und der Tourismus-Service Kampen das initiiert und durchgeführt haben, dafür können wir uns alle von Herzen bedanken. Das war ein toller Impuls, der schon viel Gutes in Turbotempo bewirkt hat!« Markus Wenzel, seit 30 Jahren Chef der Vermietagentur »A&M« und engagierter Bürger




Diesen Sommer in allen Stores!

DIE KAMPEN APP

Da kann sich die Gemeinde Kampen mal eben kurz auf die Schulter klopfen. Am meisten vielleicht sogar Anja Kautz, Mitarbeiterin im Gemeindebüro, die sich sofort daran machte, den Wunsch aus dem Kampen Forum nach einer App umzusetzen. Sie kontaktierte die Firma, die auch schon für Hörnum und Wenningstedt-Braderup maßgeschneiderte Anwendungen auf den Weg gebracht und jetzt für Kampen ein attraktives und gar nicht so teures Paket geschnürt hat. 

Neben den News aus dem Dorfleben und der Politik, allen aktuellen Themen und Terminen gibt es auch einen Veranstaltungskalender, eine Pinnwand für Interaktion, Infos für Öffnungszeiten, Reiter für die Aktivitäten der Vereine im Dorf, ein Forum mit Stellenanzeigen und die Möglichkeit, sich per Push-Nachricht Bescheid geben zu lassen, wenn es aktuelle Neuigkeiten gibt. »Die App lebt natürlich davon, dass sie rege genutzt wird, dass es viele Interaktionen gibt und die Einträge alle frisch, aktuell und gepflegt sind«, weiß Anja Kautz, die sich tief eingearbeitet hat in die Materie und zusammen mit Kollegin Dinah Boysen vom Tourismus-Service und in Vorbereitung des Releases der App im Laufe des Julis reichlich schöne Fotos und Inhalte auf den Weg gebracht hat.

Die Kampen App gibt’s gratis im Laufe des Julis in allen digitalen Stores.

Anja Kautz, die das Gemeindeprojekt zielstrebig umgesetzt hat




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