No 96
Sommer 2025
5/19

PETER KLIEM MISCHT NOCHMAL NEU

Chapeau!

TEXT: IMKE WEIN


Bei so unterschiedlichen Lebenswelten wären wir uns 
 per Zufall wohl nie über den Weg gelaufen. Der Grandseigneur des Kampener Nachtlebens und die Frühaufsteherin: leider keine zeitlichen Schnittmengen! Über die Jahrzehnte haben wir dann aber doch ein paar Interviewmomente  hinbekommen. Club-Jubiläen, Peter-Geburtstage und Umbauten. Eine Ehre, diesen Mann und seinen Kosmos immer wieder aufs Neue zu feiern. Und jetzt, jetzt mischt er einfach alles nochmal neu. Chapeau für ein Lebenswerk aus Musik und Party-Freuden. 


Der original »Ich-kenn-Peter«-Peter ist ein Mann, der nichts so sehr liebt wie alte und brandneue Dancefloor-Sounds. Ein Energyball, dem es gelungen ist, seine innere Unruhe in eine Tugend zu verwandeln und unermüdlich zu sein. Schon vor zehn Jahren – als der Club »erst« 35 wurde, als Peter seit 33 Jahren hinterm Mischpult und seit 24 Jahren zusammen mit Beate Stoltenberg (im Backoffice) die Regie führte – habe ich Vokabeln aus Helden-Mythen bemüht, um zu beschreiben, wie er der Vergänglichkeit trotzt. Und innerlich hatte ich gehofft, dass ein einziges Mal im Universum, in einem Keller mitten in Kampen, einfach alles ewig so bleibt, wie es ist. Aber da kennt das Leben ja keine Gnade. Und irgendwann war der Moment gekommen. In diesem Fall vor kurzem. Da haben Beate und Peter ihr Business verkauft. Und bevor wir uns der jungen Generation und ihren großartigen Visionen  widmen, hier eine große Verneigung vor Peter und ein paar Fragen – ganz entspannt formuliert bei einem Käffchen in Pius’ neuer Beach-Schankstube, hinter der Nordseeklinik an der Düne.

Krass. Da sitzen wir nun. Du siehst noch besser und trainierter aus than ever. Und bist jetzt Club-Geschichte. Oder doch noch nicht so richtig? //
Peter Kliem: Fast, würde ich sagen! Ich werde aber immer mal wieder im »Club« als Gast-DJ sein. Ostern hatte ich meinen »Last Dance with Peter«-Gig. Pfingsten habe ich zur Open-Air-Party im Club Innenhof musikalisch, neben anderen DJ-Kollegen, mein Bestes gegeben. Und weiterhin stehe ich den neuen Betreibern, also Sepp und Rabea, natürlich noch beratend zur Verfügung.

Und was erwarten Dich sonst für ambulante Arbeitseinsätze? //
P. K.: Ich werde im Juli und August immer donnerstags ab 16 Uhr bei meinen Freunden im »Gogärtchen« auflegen, freitags spiele ich ab 20 Uhr, ebenfalls im Juli und August, im »Strandhafer« in Wenningstedt sowie bei den »A-Rosa Poolpartys« in List. 
Im Spätsommer habe ich einen Gig beim »Sundowner Rhythm & Beats« in Westerland. Dazu kommen noch diverse private DJ-Bookings für Geburtstage, Hochzeiten oder Incentives. Das 45 Jahre Club Rotes Kliff-Jubiläum werden wir dann vom 13. bis 17. Oktober auf der »Sea Cloud Spirit« feiern: fünf Tage im Mittelmeer von Nizza nach St. Tropez. Wo ich dann auch noch mal zur großen Party an Board auflegen werde. Mein Kalender ist für 2025 gut mit Buchungen gefüllt, Anfragen für 2026 liegen auch schon auf dem Schreibtisch. Um der kalten Jahreszeit zu entfliehen, werde ich wohl wieder im Winter im »Robinson Club« auf den Malediven zu finden sein und dort die Sundowner musikalisch begleiten.

Das klingt nicht nach »Peter allein zuhause«, noch weniger nach Ruhestand. Demnach zerplatzt auch meine Vorstellung vom »Duracell-Hasen« nicht. Was verändert sich denn nun durch den Verkauf des »Clubs« in Deinem Leben? //
P. K.: Es entstehen neue Freiheiten und Möglichkeiten.Diese Veränderung war für mich an der Zeit. Man soll ja zu neuen Ufern aufbrechen, wenn’s am schönsten ist. Ich wollte mehr Freiräume. Die Bookings und Gast-DJ-Auftritte in den Clubs und Lokalen möchte ich so lange machen, wie ich Lust habe – und man mich will, natürlich.
Für mich gibt’s nichts Schöneres, als durch meine DJ-Sets für den Erfolg eines Moments zu sorgen. Beate, meine ewige Club-Partnerin im Backoffice, konnte meine Sehnsucht nach Veränderung gut verstehen. Ich bin unendlich dankbar für all die unvergesslichen Jahre, die ich im Club erleben durfte. Besonders dankbar bin ich dafür, so viele wunderbare Menschen kennengelernt zu haben: von unseren treuen Gästen in  vier Generationen, über meinen langjährigen Mitarbeiter Stefan bis hin zu den großartigen DJs und dem gesamten Team, die alle diesen Club zu dem besonderen Ort gemacht haben, der er ist. Jeder Einzelne hat dazu beigetragen, dass diese Zeit so einzigartig und erfüllend für mich war. 

Bleibt Kampen Dein Hauptwohnsitz? //
P. K.: Vorerst auf jeden Fall. Zusammen mit meiner besten Freundin suche ich eine Wohnung in Hamburg. Von dort aus bin ich dann einfach schneller überall. Ich bin gespannt, wie mir das Leben in der Stadt gefällt. Ich komm zwar aus Hannover, habe aber ja schon seit Ende der 70er meinen Lebensmittelpunkt auf Sylt.

Wie haben auf Deinen Abschied all die Menschen aus vier Generationen reagiert, denen Du in den letzten fast 4,5 Jahrzehnten zu Party-Time der ersten Güte verholfen hast? //
P. K.: Mein Abschied hat mich wirklich tief berührt – vor allem durch all die lieben Briefe, Karten und WhatsApp-Nachrichten, die ich zu Ostern bekommen habe. Mir war gar nicht bewusst, wie sehr der Club und die gemeinsame Zeit hier das Leben so vieler Menschen geprägt haben. Es ist unglaublich schön zu sehen, wie viele Gäste über die Jahre zu echten Freunden geworden sind. 
Was mich besonders glücklich macht, ist zu wissen, dass hier über fast viereinhalb Jahrzehnte hinweg nicht nur gefeiert, sondern auch Geschichte geschrieben wurde – Generationen von Menschen, die hier ausgelassene Nächte verbracht und Erinnerungen fürs Leben gesammelt haben. Viele unserer Gäste sind heute in der Wirtschaft oder anderen Bereichen erfolgreiche Persönlichkeiten, und wenn ich sehe, dass genau diese Leute als Jugendliche bei uns die Party ihres Lebens gefeiert haben, erfüllt mich das mit großem Stolz.    
Der Club war mehr als nur ein Ort zum Tanzen – er war eine kleine Gemeinschaft, ein Zuhause für jeden, der Freude, Ausgelassenheit und echte Begegnung gesucht hat. Diese Verbindung zu unseren Gästen und der Insel Sylt ist für mich das Wertvollste, was ich mitnehmen kann. 

Peter, Du hörst in jeder freien Minute Musik und bist ständig auf der Suche nach neuen Dancefloor-Entdeckungen: Auf »Mixcloud« gibt es von Dir herrliche Sets. Welchen von all den Songs hast Du womöglich am häufigsten gespielt? //
P. K.:  Ganz klar: Mein Favorit of all times ist »Insomnia« von Faithless.


Früher war alles besser? Man weiß es nicht. Aber fröhlich und wild – das war es auf jeden Fall.





PETER FAKTEN

Peter Kliem stammt aus Niedersachsen, wurde in Hannover »Textilkaufmann«, war aber schon damals Musik-besessen. Er kam 1979 erstmals mit einem Freund nach Kampen und fand es so befreiend auf der Insel, dass er blieb. 1982 legte er Pfingsten erstmals im »Club« auf. 1991 übernahm er zusammen mit Beate Stoltenberg die Geschäftsführung. Umbauten erlebte der Club seitdem etliche. 2010 war vielleicht der radikalste: Da wurde die »Dorfdisko« mit dem Holztresen zum »roten Wunder«. 

Mehr? www.peterkliem.de // Insta: peterkliemde // Um Peters Kosmos zu hören, geht’s hier lang: www.mixcloud.com/peterkliem








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