
Für die Menschen in Deutschland war es gewiss das prägendste Ereignis des Jahres: die Wiedervereinigung, die am 3. Oktober 1990 feierlich besiegelt wurde. Im selben Jahr erhielt der sowjetische Staatspräsident Michail Gorbatschow den Friedensnobelpreis, wurde der südafrikanische Aktivist Nelson Mandela in die Freiheit entlassen und der zweite Golfkrieg entfesselt. Die deutsche Fußballnationalmannschaft avancierte zum Weltmeister, während in den Kinos die Liebeskomödie »Pretty Woman« anlief. Zahlen aus dem Alltag: Ein Liter Normalbenzin kostete 1,14 Mark, ein Kilo Kartoffeln 82 Pfennige und der durchschnittliche Monatslohn betrug 2.378 Mark. Und was haben Kampen und der Rest der Insel so alles erlebt? In einer bunten Mischung stellen wir Ereignisse des Jahres 1990 zusammen – passend zur PROKAMPEN No. 90.
Text: Frank Deppe | Bilder: Archiv Frank Deppe
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Geotextilien fürs »Kliffende«
Nach zwei schweren Sturmfluten im Januar und Februar lag das Kampener Haus »Kliffende« nur noch gute fünf Meter von der Abbruchkante entfernt. Höchste Zeit zum Handeln: Die »Deutsche Bank« als damaliger Eigentümer ließ am Kliff auf 60 Metern Länge Geotextilien eingraben. Die Kosten für das Pilotprojekt – 416 mit jeweils zehn Kubikmetern Sand gefüllte Polyester-Säcke wurden verlegt – betrugen 1,2 Millionen Mark.
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Exquisite Wünsche Einen besonderen Wunsch erfüllte sich Kampens damaliger Bürgermeister Klaus Koehn anlässlich seines 50. Geburtstags: Er genoss mit seiner Ehefrau im Turm des Kampener Leuchtfeuers ein opulentes Frühstück, serviert von einem Butler. Abends wurde dann im »Dorfkrug« in großer Runde kräftig gefeiert.
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Wo Sylter das Einmaleins des Tanzes erlernten
Dort machten viele junge Sylter ihre ersten Tanzschritte: Das Kampener Tanzstudio von Ruth Klockenhoff feierte 25-jähriges Jubiläum. Zunächst im Wohnzimmer ihres Hauses, das später zu einem Saal vergrößert wurde, erlernten Erwachsene und vor allem Jugendliche das Einmaleins von Standard- und Lateintänzen – zeitweilig bot Ruth Klockenhoff im »Klappholttal« Sommerkurse an.
Illustration: AdobeStock/Mgogo
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Um- und Einzug
»Endlich raus aus dem Container« titelte die Presse über den Umzug der Kurverwaltung Kampen: Obwohl der Umbau des Kaamp-Hüs noch auf vollen Touren lief, durften die Touristiker schon mal einziehen. Zwar warteten Kurdirektor Jens Steindorff und sein Team noch auf die neue, moderne Telefonanlage und das Mobiliar, dennoch war man froh, nach über zwei Jahren Ausquartierung wieder im angestammten Domizil zu sein.

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Bilanz des Golf-Clubs Auf ein erfolgreiches Jahr 1990 blickte der junge Golf-Club Sylt im Rahmen seiner Hauptversammlung zurück. Genau 18.778 Golfer hätten den zwischen Kampen und Wenningstedt gelegenen Platz frequentiert, berichtete Club-Präsident Werner Mangelsen und stellte den Baubeginn für das Clubhaus in Aussicht. Unter den insgesamt 992 Mitgliedern – darunter 349 Jugendliche – avancierten Elga Hage und Dirk Erdmann zu den neuen Clubmeistern. |
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Trauer um Hans Harald Hansen
Kampen trauerte um seinen Alt-Bürgermeister Hans Harald Hansen. In einem emotionalen Bericht erinnerte Kampens Bürgermeister Klaus Koehn an die vielen Verdienste seines langjährigen Amtsvorgängers. »Sein immenses Aufgabenpensum verdient allen Respekt, seine Langmut und seinen Humor werden wir nicht vergessen«, resümierte Koehn – nur zu Recht sei Hansen mit dem Bundesverdienstkreuz dekoriert und zum Ehrenbürger Kampens ernannt worden.
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ABRISS
Eine Kampener Institution schloss ihre Pforten: Der Szenetreff »Village« wurde abgerissen und durch einen Hotel-Neubau ersetzt.
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Royales Lob
Lob von höchster Stelle: Schwedens König Carl Gustaf (Foto) würdigte die Blumenmotive des Sylter Malers Siegward Sprotte, die von Schwedens Industrie als Dekoration für Werbegeschenke verwendet wurden. »Die Motive verdeutlichen die Schönheit der Natur, wie man sie auch in Schweden intensiv erleben kann«, hieß es seitens des Königshauses.
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Leipziger Allerlei
Bei der Verleihung des renommierten »Bambi«-Fernsehpreises in Leipzig sorgte unter anderem auch ein Kampener Gastronom für das leibliche Wohl der rund 1.200 Gäste, darunter Prominenz wie Außenminister Hans-Dietrich Genscher, Fußballer Franz Beckenbauer oder die Schauspieler*innen Inge Meysel und Roger Moore. Gemeinsam mit zwei Mitarbeitern kochte Detlef Tappe »Leipziger Allerlei« mit regionalen Zutaten.
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Rügen statt Sylt
Einen Abstecher zur beliebtesten Ferieninsel der DDR unternahmen Wenningstedts Bürgermeister Günther Kroll und weitere Sylter Amtsträger. Ihre Bilanz: »Rügen ist eine traumhaft schöne Insel. Eine Konkurrenz für Sylt wird sie jedoch niemals werden, allein aufgrund der fehlenden Brandung, die unsere Gäste so lieben.«
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