No 94
Winter 2024
4/19

HEUTE

Yvonne Heinsen

 VON »FRIENDLY HUNTING« 


TEXT: IMKE WEIN | FOTOS: SVEN ERBERICH | FILM: NICK BOSCH

Was wünsche ich mir als Kundin, wenn ich an einem muckeligen Wintertag mit Muße in Kampen shoppen gehe? Sagen wir so: nicht weniger als die perfekte Mischung. Zunächst zieht natürlich das erlesene Sortiment und dessen Arrangement. Ausschlaggebend für ein Einkaufserlebnis, das mehr ist als die Summe seiner Teile, ist aber eindeutig Faktor Mensch. 



Und Yvonne Heinsen im »Friendly Hunting Store« im Braderuper Weg hat das gewisse Etwas, um einen Laden zu einem Lieblingsspot zu machen: die Intuition, um zu wissen, wann jemand Beratung und Fürsprache braucht. Aber auch die Zurückhaltung, um Menschen Raum zu geben und sie der Poesie der schönen Farben, Stoffe, Muster zu überlassen. Zudem besitzt sie die drei Es: Empathie, Eloquenz und Expertise im Umgang mit Menschen. Yvonne vertraut man gerne etwas an. Qualitäten, die sich wunderbar zu einem Ganzen fügen.

»Ich lieb’s: unser Sortiment und die Menschen, die zu uns kommen. Genauso gern mag ich aber die Bereiche Warenwirtschaft, Tabellen und Zahlen«, plaudert die gebürtige Hamburgerin, die ohne mit der Wimper zu zucken die Geschäftsentwicklung der letzten Jahre in Prozentzahlen aus dem Ärmel ihres »Friendly-Hunting«-Pullovers (aus feinstem Cashmere natürlich!) schütteln kann. 

Gerade kommt eine Dame durch die Fronttür des Geschäfts. Offensichtlich ist sie vertraut mit den von Reisen inspirierten Mustern, vertraut mit den sich in jeder Kollektion verändernden Farbstellungen auf den Schals und Seidenhosen, den Strickwaren, den edlen Düften, dem Porzellan, den Decken, den Teppichen und was sonst noch zur »Friendly-Hunting«-Welt gehört. 

Sie sucht heute den großen Schal (»Felted Stole« – hat Kultstatus!) mit dem Muster »Garden Eden«, ein mit der Hand siebgedrucktes Motiv mit biblischen Schlangen. Und sie hätte ihn gern in warmen Fliedertönen. Der Kundin kann – das wundert jetzt nicht – natürlich geholfen werden. Blitzschnell ist Yvonne Heinsen mit dem Sehnsuchtsobjekt zur Stelle. Ein kleines Kunstwerk.

Umgeben von schönen Dingen: Yvonne Heinsen liebt bei »Friendly Hunting« die Produkte, aber ebenso die Philosophie dahinter.


Gerne erzählt sie, so die Kundschaft das signalisiert, auch von der Philosophie des Unternehmens und von »Friendly-Hunting«-Gründer Christian Goldmann, von der Schönheit und Qualität, aber auch der Ethik und Nachhaltigkeit der Waren. Das Sortiment des 2005 gegründeten Labels gibt es derzeit in Stores in Kampen, München, Frankfurt und Düsseldorf, online natürlich auch und in ausgewählten Geschäften in Deutschland.

Eine rundherum exklusive Marke, die Yvonne Heinsen und ihr Team in Kampen vertreten. Auch das Storytelling ist mehr als Greenwashing. Jedes Stück aus der Kollektion hat eine Geschichte, die künstlerisch und moralisch auf der »guten Seite« zu verorten zu sein scheint. In der »Friendly-Hunting«-Manufaktur in Nepal wird nicht nur fair gearbeitet. Das Unternehmer-Ehepaar hat in Nepal auch einen Verein gegründet, der ein Waisenhaus verantwortet. In dem Projekt »Amazing Namasté« haben derzeit zwölf Kinder im Alter zwischen fünf und fünfzehn Jahren ein Zuhause mit Perspektive.

Mehr als nur Storytelling: Die »Friendly-Hunting«-Unternehmen führen in Nepal ein Waisenhaus, das Kindern und Jugendlichen ein Zuhause gibt. 


Yvonne Heinsen ist selbst jemand, die sich engagiert. Auch vor Ort. In Kampen trägt sie zum Beispiel ihren Teil zum Ortsentwicklungsprojekt bei. Und auch beim Interessenverband der Kampener Unternehmer ist sie mit von der Partie. Mehr Leben im Dorf und ein jüngeres Publikum – das ist, was sie sich für Kampen wünscht.

»Ich habe ja das Geschäft von meiner Schwiegermutter Bärbel Sager übernommen. Auch sie brennt lichterloh für das, was sie tut. In Keitum haben wir den ›Ambiente‹-Store. Kampen noch attraktiver für einen Ortsbummel zu machen, das ist uns ein wichtiges Ziel«, plaudert die Sylter Geschäftsfrau, die selbst regelmäßig in ihr zweites Zuhause nach Hamburg »auspendelt«. Immer dann, wenn es ihre Lebensaufgabe auf Sylt zulässt. Hamburg zieht auch aus diesem Grund: Ehemann Lars ist dort, der gebürtige Sylter, der lange Zeit ihr geschätzter Kollege war, bevor die beiden vor neun Jahren ein Paar wurden. 


Über den Lebensweg des jeweils anderen liefen die beiden so: Yvonne Heinsen hatte in den 90er-Jahren zunächst alles daran gesetzt, Maskenbilderin zu werden. Aber wie so oft im Leben kam es per Zufall ganz anders. Sie suchte sich für einen Übergang einen Job in der Welt der schönen Düfte und Kosmetik im Hamburger Flughafen. Und bei »Gebrüder Heinemann«, international im Duty-Free-Verkauf und Luxus-Einzelhandel auf Flughäfen führend, war man so begeistert von ihrer Präsenz und Kompetenz, dass sie im wachsenden Familienunternehmen eine rasante Karriere hinlegte: Sie verantwortete bald den Einkauf der Produkte im großen Stile, sorgte für die reibungslose Eröffnung von Shops überall auf der Welt. Nach einem schweren Skiunfall arbeitete Yvonne Heinsen dann in der Zentrale und lernte Lars kennen und irgendwann viel später auch lieben. So weit der Weg von Yvonne Heinsen in aller Kürze. 

»Der rote Faden? Das ist bei mir sicher die Begeisterung für Qualität und gute Produkte.« 

Auf die Frage, ob sie jetzt im Winter etwas mehr Raum haben wird, Zeit mit ihrem Mann und der Stieftochter zu verbringen, kommt von ihr ein entschiedenes »Nö. Viel mehr Zeit hab ich wahrscheinlich nicht. In Kampen haben wir ab Mitte Dezember und über den Jahreswechsel, dann wieder ab Biike geöffnet. Aber  ›Ambiente‹ in Keitum arbeitet ganzjährig. Und an Mitarbeitenden haben wir auch keinen Überfluss. Zudem gibt’s viele Projekte und Ideen, die im Winter den nötigen Raum finden. Aber ich genieße die Zeit mit meiner Familie, so oft ich kann«, meint sie strahlend und wendet sich beflissen der nächsten Kundin zu.





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